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DER SCHATZ IM HEILENBERG

Unter der Parzelle Burg liegt ein Hügel, der früher dem Thurnher gehörte. Auf seiner Kuppe, wo auf Knie der Geist umgeht, stand einstens ein runder Turm. Aber nicht dort befindet sich der große Schatz, sondern auf dem Heilenberg. Wenn man zu diesem will, muß man dort, wo der Reitweg gegen die Schattenseite einbiegt und ansteigt, gleich über die schmale Felskante, dem Schrofen entlang nach der Sonnenseite gehen, doch darf man nicht schwindlig sein, weil man sonst abstürzt.

Dort nun, wo das Wasser aus dem Felsen rinnt, wartet eine alte Frau, mit der man in den Berg hineinmuß. Zuerst geht es über ausgetretene Stufen hinauf und dann kommt man ins große Gewölbe. Dieses wird in der Mitte von einem Pfeiler gestützt und getragen. Vor der Säule steht auf dem Boden der Schatzkasten, aus schwarzem Holz geschnitzt. Auf jeder Ecke hockt eine große Echse. Dem Pfeiler gegenüber lehnt ein Instrument und wenn man auf diesem spielt, werden die Tiere zahm und kann man die Truhe öffnen. Darin liegt aber nicht das goldene Kegelspiel, sondern der große Schatz vom Heilenberg.

Der Heilenberg ist nicht weit von hier, aber nur der kann den Schatz finden, welcher den weißen Vogel über den Berg fliegen sieht. Wenn er abstürzt, muß man schnell eilen, damit man ihn findet, denn nur mit seinem Weißfell angetan, ist es möglich, ohne Gefahr zur Felsenhalle und zum Schatze zu kommen. Dieser Vogel stürzt ab, wenn die goldenen Sonnenstrahlen durch das grüne Blätterdach der Bäume fallen und die Leute sich vor Furcht verstecken.


Quelle: Walter Weinzierl, Sagen aus Dornbirn, Dornbirn 1968, S. 58