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DER HALDENBOCK

Schlößchen Dornbirn-Oberdorf
Schlößchen Dornbirn-Oberdorf
Im Gebiet des heutigen Dornbirn gab es in alter Zeit vier Adelssitze. Diese kleinen Edelsitze hießen Veste Dornbirn, das Oberdorfer Schlößchen, die Burg Mühlebach (Bürgle-Sigberg) und die Burg Knüwen (Knie). Das Oberdorfer Schlößchen bei der heutigen Pfarrkirche wurde 1465 gebaut, von den Schweizern 1499 verbrannt und 1502 wieder errichtet. Eine Tafel in der jetzigen Kirche erinnert an die Letztbegrabenen in der Kapelle 1557. Das "Schloßbräu" weist auch auf dieses Schlößchen.
Quelle: Andreas Ulmer, Vorarlberger Volkskalender 1936, S. 17

An der alten Landstraße liegt das Bürgle. Auf diesen Hügel trieben die Bauern ihre Schafe. Als man sie eines Abends wieder eintreiben wollte, waren sie nicht mehr zu finden. Nach einigen Tagen fragte man einen alten Schäfer, ob er sie nicht suchen wolle. Der Alte ging und suchte lange vergeblich, bis er sie endlich in einem eingebrochenen Gang wiederfand, der einstens die beiden Schlösser Oberdorf und Mühlebach miteinander verbunden hatte.

Als der alte Schäfer die Kunde brachte, sagten die Bauern, der Haldenbock habe die Tiere in die Irre geführt. Der Alte ging dann mit einem Schäferhund, die Schafe zu bergen. Kaum hatte er das letzte aus dem Loch heraußen, da fuhr ein Wagen mit einem kleinen Männlein vorbei. Der Schäfer lachte über das Männlein, aber das Lachen kam ihm teuer zu stehen, denn das Männlein war der Haldenbock und schlug ihm mit Wucht seine Axt ins Knie. Der Schäfer humpelte mit den Schafen heim und ging zum Doktor, aber die Wunde wollte nicht heilen. Am nächsten Neujahrsmorgen schleppte sich der Schäfer wieder zu der Stelle hin, wo ihm das Unheil geschehen war. Als nun der Haldenbock vorbeikam und den Mann sah, rief er: „Ah, da habe ich ja meine Axt vergessen!" Damit zog er sie heraus und seitdem war die Wunde verheilt.


Quelle: Walter Weinzierl, Sagen aus Dornbirn, Dornbirn 1968, S. 19