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DER GEMSJÄGER

Ein Gemsjäger jagte am Breitenberg. Plötzlich stand ein häßliches Männlein vor ihm und sprach drohend: „Warum schießt du meine Gemsen und läßt mir nicht meine Herde? Das sollst du mit deinem Leben bezahlen!" Der Jäger erschrak und wäre bald über die Wand gestürzt, faßte sich aber und bat das Männlein um Verzeihung, denn er habe nicht gewußt, daß die Gemsen ihm gehörten. Da sprach das Männlein: „Gut, aber laß dich nie wieder sehen! Dafür verspreche ich dir, daß du an jedem siebten Tag in der Frühe eine geschlachtete Gemse vor deiner Hütte finden sollst!" Darauf verschwand das Männlein und der Jäger ging nachdenklich heim.

Am siebten Morgen hing tatsächlich eine fette Gemse an einem Baumast vor des Jägers Hütte und das ging jede Woche so. Nach einiger Zeit verdroß den Jäger das ruhige Leben. Viel lieber wollte er Gemsen jagen, als sich den Braten zutragen zu lassen.

Eines Tages stieg er wieder in die Felsen und erblickte einen stolzen Leitbock. Er legte auf ihn an und wollte eben losdrücken, da packte ihn das Männlein und warf ihn in die Tiefe.


Quelle: Walter Weinzierl, Sagen aus Dornbirn, Dornbirn 1968, S. 89