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DAS MONTAVONER WAPPEN

Es war an einem Mittwoch des Jahres 1414, als Papst Johann XXIII. über das Zeinisjoch aus Tirol in das Tal Montavon kam, um von dort seine Reise nach Konstanz zur allgemeinen Kirchenversammlung fortzusetzen. Der Heilige Vater wurde von den Talbewohnern mit allen seiner hohen Stellung gebührenden Ehren aufgenommen, und der Papst verlieh, hocherfreut über den festlichen Empfang, der Landschaft ein Wappen, das die zwei kreuzweise gelegten Schlüssel des Apostelfürsten Petrus zeigte. Im Andenken an den Besuch des Kirchenfürsten erhielt sich im Montavon der Brauch, daß in den an der Straße gelegenen Kirchen jeden Mittwoch mit allen Glocken zu Mittag geläutet wird.

So erzählt die im Montavon allgemein verbreitete Sage. Papst Johann zog aber erwiesenermaßen nicht über den Zeinis, sondern ritt zu Anfang des Winters 1414, vom Herzog Friedrich mit der leeren Tasche als General-Kapitän der Kirche begleitet, auf seinem Zelter dem Arlberg zu und fuhr von dort im Wagen zutal. In der Nähe des Dorfes Klösterle stürzte der Wagen des Heiligen Vaters um, worüber er sich etwas unheilig ausgedrückt haben soll, indem er ausrief: "Hic jaceo in nomine diaboli" (da liege ich in des Teufels Namen). Eine Chronik berichtet: "Da er nun wider auff kame vnnd vber das Klösterlein herab kame", und man ihm ungefähr die Lage der für ihn so verhängnisvollen Stadt Konstanz angeben konnte, "sprach er in latein: ,Sic capiuntur vulpes' (so fängt man die Füchse) und kam desselben tags gen Feldkirch vnd morgen gen Rheineck, darnach gen Costentz."


Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 231, Seite 185