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DIE GOLDENE SCHLANGE IN WOLFURT
Ob Wolfurt war eine Zwingburg, heute ist sie zusammengefallen und nur noch verwettertes Mauerwerk ist übrig. In dem alten Gemäuer haust eine goldene Schlange und schläft, in eine Kugel gerollt, den ganzen Herbst und Winter aus. Im Frühling aber erleblet sie, reckt und streckt sich und schleicht ins Tal, sich im Klee zu sonnen. Einmal wandelt ein braves Sonntagskind dort vorbei und sieht die Schlange funkeln in Klee und Maiensonnenschein. Voll Furcht flieht es auf und davon, denn es weiß, der Geist vom letzten Ritter auf Wolfurt muß umgehn. Ein Bauernplager ist es gewesen und ein reicher Geizhals. Seine Zwingburg ist zusammengesunken, aber er selber muß unerlöst geisten. Seine einzige Freude ist im Frühling sich sonnen im Ackerland. Manche wollen wissen, daß die Herren von Wolfurt aus einem sehr alten Adelsgeschlecht stammen, das einst in Schottland ansässig war. Auch von dem heute spurlos untergegangenen Schloß Kuien erzählt die Sage, in Mondscheinnächten schieße eine goldene Schlange die Felswände herab, um aus dem Rickenbach, der dort vorbeifließt, den Durst zu stillen.
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