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TODESBOTSCHAFT

Im Garneratal bei Gaschurn ist das Fenggatobel. In den großen Höhlen dort sollen vor alters die Fenggen gehaust haben. Unter diesem Tobel, im Weiler Trantraues, war einmal eine Fenggin Magd, ein fleißiges, geschicktes Meiggi. Ihr Dienstgeber, der aus dem Garneratal gekommen war, sagte zu ihr beim Mittagessen: "Der Hansel lot di grüeßa; d'Stutzel sei gschtarba." Auf das lief die Magd fort und ließ sich nicht mehr sehen.

In St. Gallenkirch kommt zum Hanskasper im Maisäß einmal an einem Abend eine Fenggin, die Jochrumpla vom Samangerberg, wo nach dem Sagen der Leute auch ein alter Hexenplatz ist. Die Fenggin bittet und bettelt, er möge sie als Magd in Dienst nehmen, weil sie daheim nimmer bleiben könne wegen Kieb und Unfrieden mit dem Mann. Ein Prachtmensch sei es gewesen, die Jodirumpla, haarig zwar über und über am ganzen Leib, aber gliederig und stark wie ein Riese. Der Hanskasper stellt sie an als Magd, und drei Jahre hat sie bei ihm gedient, und zwar treu und redlich, was man kann sagen. Willig und bereit und aller Bauernarbeit kundig sei sie gewesen zu Trotz einer jeden in der Gemeinde. Nach drei Jahren ist es einmal zu Nacht beim Fenster beim Hanskasper klocken gekommen und rufen: "D'Jochrumpla söll hemko, der Muggastutz ist tot", und auf das geht die Jochrumpla aus dem Dienst und springt wieder dem Samangerberg zu.

Und einmal ist auch eine Fenggin im Marlinischen Haus Jahr und Tag lang Magd gewesen, bis es einmal an einem Abend klocken und rufen gekommen ist, die Jochringgla solle heimkommen, Muggastutz sei tot; drauf ist die Magd fort und nimmer gekommen.

In Tschagguns sei auch eine Fenggin in einem Baurenhaus Magd gewesen, und da geht der Bauer mit ein paar Knechten in den Wald holzen, und wie sie in der besten Arbeit sind, kommt ein Fengg zu ihnen und sagt: "O Ma, sägen ihr Holzma, der Muggastutz söll ko, Urhans sei tot." Wie die Holzmänner heimkommen, so erzählen sie beim Essen, was sie im Walde vernommen hatten. Die Magd sitzt mit am Tisch und loset und fängt drauf an zu lachen und springt auf und davon, und weder Stob noch Floh ist von der Fenggin mehr zu sehen gewesen.


Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 190, Seite 146