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DER GEIST AUF GWEIL

Auf der Alpe Gweil hat einmal ein nichtsnutziger Hirt seine Hab auf einen gefährlichen Weidgang getrieben, und da ist eine kostliche Kuh geschlipft, durch eine Gande hinuntergerollt und erfallen. Der Hirt ist gar nicht arg erschrocken darob, er hat einmal noch sagen mögen: "Trol zu, du gehörst einem Reichen." Bald drauf ist der Hirt gestorben, und von dort an ist es auf Gweil nicht mehr recht kauscher gewesen. Oft einmal habe man zunacht beim Mondschein einen Mann eine Kuh mühsam durch die Gande hinauftragen gesehen, und sei er einmal mit seiner Bürde auf die Höhe gekommen, so habe er sie abgeworfen und gejauchzt und ein gelliges Gelächter gehabt, und mittlerweile sei die Kuh durch die Gande wieder hinuntergerollt, daß alles erhillt habe vor Lärmen und Getos. Jetzt einmal führt man einen Hehr auf die Alp, und der paßt dem Geist auf und fragt ihn, woher er kommt, warum er denn zunacht die Alpleute oft einmal so in die Unruhe bringe, und ob man ihm mit etwas verhilflich sein könnte. Der Geist gibt zur Antwort, er habe zu Lebzeiten eine kostliche Kuh verfällt und keinen Schadenersatz gegeben und dafür müsse er jetzt nach dem Tod geisten und die Kuh durch die Gande hinauftragen, bis die ganze Summe, die die Kuh unter Brüdern wert gewesen sei, beim Pfennig ausgezahlt sei. Alle Jahr könne er, wenn er fleißig trage, einen Groschen daran abzahlen. Auf das hat man dann mit dem Erben vom Eigentümer der Kuh abgemacht, und durch das ist der Geist auf Gweil erlöst gewesen.

Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 188, Seite 144