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DIE ANNA-ALPE

Die größten drei Alpen in der Au, der Seckol, die Anna-Alpe und der First, gehörten einem Vater. Beim Teilen übervorteilte die Anna ihre beiden Schwestern, und seit dieser Zeit kommen alle Hexen beim Anna-Alper Strackli zusammen. Alle Hündinnen, die den Säuen den Speck und den Kühen den Nutzen wegnehmen, sind beim Vollmonde dort beieinander. Ein gewisser Kützler aus der Au hat im Elsaß gewoben und war in einem Hause, wo man kein Stück Vieh und doch Milch genug hatte. Der gute Kützler beobachtete das Weib und sah, daß die Hündin (Hexe) bloß den Abwaschfetzen molk. Es grauste ihm und er mochte keine Milch mehr. Später kam es noch ärger. An einem rauhen Tage sagte das Weib: "Heut schneit es auf der Annalp." "Kennst du die Annalp?" fragte der Kützler. Ja, und das Strackli auch", sagte die Hexe. Jetzt hatte der Weber in der Fremde genug. Er mochte das gute Quartier samt der Milch nicht mehr und zog von Herzen gern in ein schlechteres.


Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 29, Seite 66