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Die Predigt am Lüner See

Am Part (Ufer) vom grüena Lüner See, hoch übrem Därfle Brand,
Do hond amol si Hirta zwe, verwilet mitanand;
Am üser Frauatag' (Maria Himmelfahrt) isch gsi, bim frilha
Margasunnaschi.

Uf emol hörn sie's Brandner Glüt, vom Tal dun bis zem See.
So firle und so hell wia hüt, klingt's, rot i, selta meh.
Es rüeft de Därfler allasamt zer Predig und zem heil'gan Amt.
Do set der e: „Es ischt decht nett, a so en Glockaklang!
Doch würd, a's wenn i Hemweh hätt, mer schwer derbei und bang.
I möcht drum o am Firtig hüt, zer Predig goh wia ander Lüt."
Der ander lacht: „Jo, fehlt net meh, se wäß i bald en Rot:
Es gäschten Hera do im See, wia d' Sag im Ländle goht;
Es söll vo dena ener ko und üs a Firtigpredig ho."
Und wia der Spöttler das hot gred't, se ruscht's im See,
- was isch? -

En Herr i Chorrock und Barett kunnt gschwumma wia en Fisch;
Er rit't en Schümmel, setzt a d's Land, a guldis Lätsäl i der Hand.
Der Riter schwenkt dem Böswicht zue und hebt den Arm i d' Höh
Und prediget dem Hirtabue, es hillt vo Fels und Ste;
Und „Amen" gellt's - en Sprung in See - und Roß und Ma
siehscht niena meh.

Der Hirt hot aber nia nüt gschwätzt, was Sprüch und gueti Lehr,
Hei sellmol usanandergsetzt, am Lüner See der Her;
Er Hot si Predig bald derno, met untra gwichta Boda gno.

 

Quelle: Anna Hensler, nach F. J. Vonbun in: Rund um Vorarlberger Gotteshäuser, Heimatbilder aus Geschichte, Legende, Kunst und Brauchtum, Bregenz 1936, S. 52