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478. Das Weiblein im Relles

Das alte Ganähli hatte im Relles einen Maises und fütterte dort zur Winterszeit sein Vieh. Eines Tages fiel eine solche Masse Schnee, daß durch mehrere Tage niemand zu ihm kommen konnte. Aber der Mann blieb nicht allein. In diesen Tagen kam ein Weiblein mit gefrorener

Juppa zu ihm in sein Stöble und setzte sich zum warmen Ofen. Nach einer Weile ging es wieder und sagte: „Jetzt muß ich gehen, den armen Leuten die Schweine tränken, den reichen habe ich sie schon getränkt." Ein paar Schritte weit von der Hütte ließ es dann den bekannten Lockruf hören, und von allen Seiten liefen die grunzenden Schweine herbei. Dieser Besuch wiederholte sich mehrmals. Eines Tages legte sich der Mann auf die Ofenbank, auf welcher das Weiblein zu sitzen pflegte, und schlief ein, ehe das Weiblein kam. Als er erwachte, bemerkte er, daß er nicht mehr auf der Bank lag, sondern unter dem Tisch auf dem Boden, und daß der Ausgang auf allen Seiten mit Milchbrenten verrammelt war. Das Weiblein auf der Ofenbank aber begann laut zu lachen, als der Mann in der ersten Überraschung sich nicht zurechtfinden konnte.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 478, S. 263f