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521. Die Warnerin

Bei einer Schlözate zu Tschagguns ist's einmal recht lustig zugegangen; noch um zwei am Morgen haben sie aufgespielt und getanzt. Da geht zu einermal die Stubentür auf und ein Weib ruft herein: „Jetzt dürft ihr dann aufhören, die Sach ist jetzt genug geschehen." Ein Bursch gibt ihr zur Antwort, das gehe sie gar nichts an, sie solle machen, daß sie weiterkomme. Das Weible geht, kommt aber gleich darauf wieder und warnet auf die gleiche Weise wie das erstemal. Jetzt geht der Bursch dem Weible mit dem Licht nach ins Vorhaus hinaus. Da löscht das Licht, sobald er draußen ist, aus und das Weib packt den Burschen und will ihn mit Gewalt vor die Haustür hinausziehen. Sie hat ihn schon ein Stück weit draußen und in der größten Angst fängt der Bursch an schreien. Auf das hin kommen die anderen gnot mit dem Licht aus der Stube und wie das Weiblein das Licht wieder sieht, so läßt es an ein Laufen; vor der Haustür aber winkt es ihm noch zu. Doch er sagt: „Du hast mich gehabt und bekommst mich nicht mehr l" — Der Bursch ist aber da darnach lange Zeit krank gewesen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 521, S. 281