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508. Ich muß verzeihen

Friedhof von Bartholomäberg © Berit Mrugalska
Der Friedhof von Bartholomäberg, Montafon
mit Blick auf die Zimba
© Berit Mrugalska, 18. Oktober 2005

Am Barthlomäberg hatte einmal ein Bursche Maschkera (den Fasnachtsbutz) gemacht und war dabei vor Hengertbuben, die ihm nachliefen, auf den Friedhof geflüchtet. Da sah er einermal aus einem Grab einen Mann aufstehen und der wehrte ihm den Ausgang, bis er versprach, am dritten Abend wieder zu kommen. In seiner Not fragte er einen Geistlichen um Rat. Der hieß ihn auf das Friedhofdächle klettern und dort verbleiben; er solle sich ja nicht hinab wagen. Der Bursche folgte dem Rat. Am dritten Abend erschien der Geist wieder, und da er den Burschen auf dem Friedhofdächlein liegen sah, bettelte er in einem fort: „Komm herab!" Der Bursche blieb aber droben und rief nur immerzu: „Tu mir's verzeihen!" So ging es bis zum Avemarialäuten am Morgen. Da endlich sagte der Geist: „Ich verzeihe und muß verzeihen!" und verschwand. Und jetzt konnte der Bursche wieder heim.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 508, S. 275f