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570. Im Verbälla

Einmal im Herbst spät sind zwei Mannsbilder im Verbälla drin gewesen. Jetzt einermal sehen sie ein Männle ein Stück von ihnen weg über einen Wassergraben hereinkommen. „Ei was ist jetzt das für ein Männle so in einem altfränkischen Haß?" haben sie zusammen gesagt. So ist es ein Stück weiter hereingekommen, wieder hinaus und wieder herein. So habe es ein tschüppelemal gemacht und einermal sei es grad gewesen, als ob es in den Boden hineinschliefe. Sie haben nichts mehr gesehen und gehört.

Vor einem Schneewetter kann man manches sehen und hören. Vor etlichen Jahren sei es zunacht vor die Dieja herunter geknaschget und habe dann hin und her geknutscht, aber gespürt und gesehen habe man nichts, als den anderen Tag sei halt wieder ein Schneewetter gewesen.

Die Schweinehütte ist grad neben der Dieja. Da fingen die Schweine zu Mitternacht an tun und schreien und knutschen, als wenn sie grad alle hinwerden müßten. Der Hirt sprang auf, riß die Hüttentür auf und hinaus. Aber die Schweine all waren da schon wieder ruhig drin, keins regte sich.

Und wieder einmal fing es zunacht an hojen und lärmen und treiben und alles Vieh sprang zuweg und über den Stafel aus. Die Hirten auf, die Stecken hergerissen und hinaus und gejammert: „ Ojaha, jetzt ist das Vieh alles hin!" Wie sie auf den Stafel hinauskommen, liegt das Vieh alles draußen und garmailet. Den ändern Tage habe es gebieschet, was vom Himmel habe mögen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 570, S. 300f