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524. In der Tanzlaube

Die Bad-Rosina wollte auch wissen, wer im nächsten Jahre sterbe, und machte sich an einem Neujahrsabend auf, um unter dem Zwölfuhrschlagen durch das Schlüsselloch der großen Kirchentür in Tschagguns zu schauen. Mein Vater, Johann Josef Brugger, begleitete sie. Sie setzten sich in der Tanzlaube, die damals noch auf dem oberen Kirchenplatz stand, nieder, um die Mitternachtsstunde zu erwarten. Auf einmal aber tat es in nächster Nähe einen so fürchterlichen, ungewöhnlichen Schnall, daß diesmal auch die beherzte Rosina den Mut verlor und, wie der Vater der Erzählung immer mit Lachen beifügte, noch vor ihm aus der Tanzlaube draußen war und gern auf den Blick durch's Schlüsselloch verzichtete.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 524, S. 282