15. Richtstätten

Auf der ehemaligen Richtstätte von Bregenz, am Klusbühel, sah eine gewisse Frau Vogler vom Haupte eines eben hingerichteten Soldaten eine weiße Taube auffliegen. Seitdem wallfahrteten bis noch vor einigen Jahrzehnten viele Leute zu dieser Richtstätte. Auch hieß es, man nehme hier seit dieser Begebenheit einen Balsamgeruch wahr.

Beim Tor der Umfassungsmauer von Riedenburg, sagt man, hätten schon die Römer einen Galgen gehabt. Später sei im Töbele hingerichtet worden, am Fuße des Bühels, auf dem die Pfarrkirche von Bregenz steht. Dieser Bühel heißt noch der Richtbühel. An der Stelle, wo der Galgen sich befand, ragt jetzt ein Kreuz. Dann wurde der Galgen auf dem Klusbühel bei Gravenreut errichtet. Vor nicht gar langer Zeit standen noch an der Stelle, wo man die Hingerichteten begrub, drei Kreuze. Hier sollen viele, viele Leute hingerichtet worden sein und die Leichen habe man lange Zeit hängen lassen, so daß die Vögel darab gefressen haben und die Gerippe dann, wenn der Wind sie bewegte, klapperten. Später wurde auf dem Ried hingerichtet und dann im Steinwald bei Feldkirch. Die Richtstätte der Herren von Lochau befand sich auf dem Bühel unterhalb der Besitzung, jene der Herren von Höfen lag Backenreute zu, auf einer Anhöhe, die man heute noch den Galgenbühel heißt.

Der letzte Henker von Bregenz besaß den Einödhof "Halbstation" am Pfänder, eine Stunde ob Bregenz, am Weg zum Pfändergipfel. Er bewirtschaftete mit seiner Frau das Gut und handelte nebenher mit Pferden. Er war ein rothaariger, großer und hagerer Mann. Den Strick den er zum Erhängen der zum Tode Verurteilten benützte, hatte er an der Wand ober seinem Bette hängen.


Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 15, S. 36f