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500. Am Patrioler Schrofen

Beim Weidgang auf der Alpe lief eine Kuh immer an der gleichen Stelle von der Habe weg gegen den Patrioler Schrofen. Das erzürnte den Hirten, denn eine Mühsal war's, sie von dort zu holen, und er verwünschte sie und legte Tannenrinden auf jene Stelle, daß die Kuh erfalle. Und die Kuh risete hinab. Bald darnach starb der Hirt, ohne daß er seine Schuld gutmachen konnte; er fand in der Ewigkeit keine Ruhe. Büßend mußte er alle Nächte mit der Kuh hinauf und wieder in die Tiefe. Wenn er wieder einen Gang getan, jauchzte er. Als er einem armen Manne die Leute nannte, welchen er seine Schuld zu begleichen hätte, erbarmte sich der und erbat sich von den Geschädigten Vergebung für ihn. Es war schon das neunte Geschlecht. So ward der Butz endlich erlöst.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 500, S. 273