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549. Rote Beinhöslein und grüne Pantoffel

Der Anton Netzer in Gortipohl hat als Büble einmal im Bärawald im Neza an einem rauhen Tag die Geißen gehütet. Auf einmal kam aus dem Nebel herunter ein Weiblein in roten „Beehösli" und gab der ganzen Herde zu lecken. Des ändern Morgens hatten alle Ziegen die Sucht. Da fand er auf einem Grat im Neza einen grünen Pantoffel und ein Meerrohr und nahm beides mit heim. Das sah der Pfarrer und fragte ihn: „Woher hast du das? Das brauchst du nicht!" und behielt es. Nun machte der Bub mit einem ändern Geißler aus, es sei gewiß eine Hexe dahinter, die wollen sie erschießen. Sie wußten den alten Rat, daß man mit einer Kugel, die unter der Messe auf dem Altar liege, jede Hexe sicher treffe. Sie taten also eine in ein Salzbüchslein und versteckten sie auf dem Altar. Da kam aber der Pfarrer bei der Wandlung nicht mehr vorwärts; er suchte lang und fand endlich die Kugel. Die warf er so wild hinaus ins Vorzeichen (kleine Eingangshalle), daß sie ein Stück weit wieder in die Kirche zurückschnellte. So konnten die Buben die Hexe halt nimmer erschießen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 549, S. 293