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461. Das Nachtvolk in Vandans

Leute, die an einem Sonntag in der Früh in die Kirche gingen, hörten in Vandans unter des Vorstehers Haus das Nachtvolk der Ill nach aus- und einziehen. Es war ein vielstimmiges Durcheinander, wunderschöner Gesang von jugendlichen Stimmen und Klänge von Blechinstrumenten. Es tönte wie das Tosen reißender Wildbäche und wie Peitschenknallen. Auf freudiges Auflachen folgten Schmerzensrufe und dazwischen hinein war wieder alles auf einmal still.

In alten Zeiten sei es gar nichts Seltenes gewesen, daß man dieses lärmende Geistervolk in der Dämmerung oder während der Nacht den Mustergiel entlang auf- und abgehen hörte. Es führte die Leute gar gerne irre oder es bannte sie auch auf Stauden hinauf.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 461, S. 257