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492. Das Nachtvolk im Silbertal

Das Nachtvolk ließ sich im Silbertal an mehreren Stellen sehen und hören, so hauptsächlich am Teufelsbach, auf dem Spielmannsegg in den Silbertaler Maisäßen, auf dem Giger und dem Vita auf Kristberg und auf dem Kapenza im Außertal.

Das Volk habe in der Nacht recht schön musiziert, aber zuletzt sei die Musik oft in ein wüstes Geschrei, ähnlich dem der Katzen, ausgegangen. Die Leute paßten wohl an manchen bestimmten Stellen dem Nachtvolke ab, um die Musik zu hören; das war aber mit Gefahren verbunden. Der alte Mesner vom Kristberg erzählte, der alte Vit, sein Vater, habe ihm die Stellen gezeigt, wo er der Musik zugehört habe. Er habe sich aber während des Zuhörens immer gefürchtet.

Ein anderer Silbertaler ging in der Nacht aus, um das „Volk" spielen zu hören. Die Musfk sei schön gewesen, aber während des Zuhörens bekam er in einem Auge heftige Schmerzen, die ihm blieben. Er versuchte alles mögliche, um Heilung zu erlangen. Es nützte ihm nichts, bis ihm endlich ein Silbertaler riet, Mut zu fassen und noch einmal dem Nachtvolke an der gleichen Stelle zuzulosen. Er befolgte den Rat und wirklich kam das Nachtvolk wieder. Nach dem Spiele sagte einer der nächtlichen Gesellschaft, er müsse bei dem benachbarten Stalle zukehren; da habe er vor einem Jahre „a Nägili" (einen kleinen eisernen Nagel) gesteckt und das müsse er wieder ziehen. Im gleichen Augenblicke verlor der Mann die Schmerzen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 492, S. 270