406. Die St. Leonhardskapelle auf Radin

Eine Stunde östlich von Bludenz steht oberhalb des Weilers Bings nicht weit von der Landstraße eine uralte Kapelle zu Ehren des heiligen Leonhard, des Patrons der Gefangenen. Nach einer alten nicht unwahrscheinlichen Meinung soll sie von den beiden Brüdern Rudolf IV. und Ulrich II., Grafen von Montfort, erbaut worden sein. Ihr Vater Rudolf IM. war in einer Fehde mit Ulrich Walter Freiherr von Belmont im Tale Lugnetz am Berge Mundrun in Graubünden im Mai 1352 in einen Hinterhalt gefallen und mit ziemlich vielen seiner Krieger gefangen worden. Der Graf mußte für seine Freilassung ein großes Lösegeld versprechen und bis zu dessen Bezahlung die genannten Söhne als Bürgen stellen. Sie blieben vier Jahre in harter Gefangenschaft und nahmen endlich Zuflucht zur Fürbitte des heiligen Leonhard, zu dessen Ehre sie für den Empfang der Freiheit eine Kirche zu bauen gelobten. Sie wurden erhört und wundersam befreit. Sie erbauten die St. Leonhardskirche in Feldkirch und man vermutet, daß sie auch die Kapelle bei Bings erbauten. Soviel ist gewiß, daß dieses Kirchlein schon vor 1490 eigenes Vermögen und einen Pfleger hatte.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 406, S. 229