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556. Der Klushund aus Tirol

Es sei einmal ein Tiroler gewesen, ein furchtbarer Geizhals, der habe viele Schulden gehabt zum Einziehen im Montavon [Montafon]. Der habe die Leute furchtbar dressiert, wenn sie nicht grad zahlen haben können. Wenn Martini gekommen sei, habe es überall geheißen, jetzt wird der Klushund gleich wieder kommen.

Wieder einmal habe er ein armes Bäuerlein von Haus und Heimat gejagt. Da habe das Bäuerlein gewünscht, wenn er nur müßte butzen. Eine redliche Buchführung habe der Tiroler dann auch nicht grade geführt. Bald drauf sei er da gestorben.

Drauf seien einmal zwei Mann ins Gaschurn gegangen. Wie sie aufs Danagadner Brücklein kamen, habe der eine zurückgelugt. Da sei ein großer, schwarzer, pudleter Hund nachgekommen. Es sei Mondschein gewesen, sie hätten es gut gesehen. Er sei ihnen immer nach, seien sie gnot oder gemach gegangen, er sei immer gleichweit von ihnen gewesen. Als sie näher zur Kirche gekommen seien, hätten sie zusammen gesagt: „Jetzt gehen wir ins „Vorzähi“ hinein und holen eine Handvoll Weihwasser und werfen es über die Gaß, dann kommt er, kann sein, nicht mehr." Da hätten sie ihn nicht mehr gesehen, bis sie auf den Nannaree gekommen seien; da auf einmal sei er wieder bei ihnen gewesen. Da hätten sie sich gefürchtet und seien zu einem Haus und hätten geklockt, sie sollten sie hinein lassen, und hätten gewartet, bis es Eins gewesen sei. Später habe man den Hund noch öfters gesehen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 556, S. 296