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530. Der Hennenteufel

Ein St. Antönier hat einmal den Hennenteufel gesehen. An einem Abend spät kam ein Montafoner in den Maierhof und konnte nirgends mehr unterkommen als bei Bartli Flutsch, der ihn klopfen hörte und ihm aufmachte. Der Fremde trat ein und Bartli zog sich an, um ihm noch etwas zu holen. Der Montafoner, ein gesprächiger Mann, erzählte ihm allerhand von der Welt draußen und so ging die Zeit um. Da faßte sich Bartli noch ein Herz und klagte dem Gast, er wisse nicht wie, aber seine Hennen seien nicht mehr wie früher; allemal, wenn er in den Stall komme, führen sie so zusammen und wollten auch nicht mehr legen. „Das kommt daher, weil der Teufel sie plagt", meinte der Montafoner, „den will ich euch fangen, gebt mir nur eine Flintenkugel."

Bartli, ein Jäger, holte eine, sie gingen in den Stall und der Montafoner legte die Kugel in den Hennenchramm. Die Hennen blieben ruhig. Nach einer Weile fiel von oben herab eine andere Flintenkugel in den Hühnerstall und mit gräßlichem Geschrei fuhr das Geflügel in die Höhe und durcheinander. Die erste Kugel rollte auf die zweite zu, wieder weg und putschte so gräßlich von einem Winkel in den ändern, bis sie doch nachgeben mußte und durch eine Ritze wieder wegrollte. Das war der Hennenteufel gewesen, der in der Bleikugel einen Gegner fand, diesem aber nicht „Heer" mochte, weil die Flintenkugel härter war als er. — Von da an hatten die Hennen Ruhe.

Der Montafoner mußte noch ein paar Tage bei Bartli bleiben, hatte gut leben und erzählte ihm vieles, was dem St. Antönier gar kurios vorkam, auch viele von seinen wunderbaren Jagdstücklein.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 530, S. 284f