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296. Der Hirt von Gamperton Wenn an den Sommerabenden von allen Schröfen und aus allen Schrunden, vom Panüler und von den Zalimer Steinwänden herab die Dämmerung sich löst, dann hallt der Alpruf: "Oohoo - oohoo - oohoo! Ave, ave Maria-oo!... Bhüets Gott!" Es wacht ja heimlich auf in der Nacht, was sich am Tag nicht regt. Es zieht um dich mehr und mehr, wie feindliche Gewalten, die du nicht kennst. Und doch hörst du keinen Ton, nur das Schalanzabächle rauscht immer lauter. Dann schaut der Mond herab und im silbrigen Dimmer steigt vom Spusagang der alte Hirte ins Tal. Seine weiße Kutze weht um die Schröfen, an seinem hohen Stecken schreitet er mächtig her und haltet die Nachthut im Gamperton. Ein Hirt ist es gewesen, ein guter, frommer seiner Lebtag. Wie nicht bald einer hat er acht gehabt aufs Vieh. Beim Weidgang am Bach und unter der rauhen Wand hat dann der Singoß der Herkuh und das Glöckeln von Schellen und Plumpen so lieblich geklungen wie nie mehr seither. Die Kühe haben getrüejt und getragen, und das Molken hat gewachsen. Das hölzerne Kreuz ob den Schöpfern am Hüttentroma hat er mit gewichenen Kräutlein geziert und unter der Wettertanne voll Baumbart im Knien den Rosenkranz gebetet. Er ist schon lange gestorben, aber alle Nächte, wenn von Setsch und Gorvion, Gamp und Güfel, von Amatschon und Stafeldon, Vals, Vermales und Valscherina der Alpruf hinauftönt, steigt der alte Hirt vom Solaruel her zur Alpe herab, macht im weiten Ring die Runde und ruft:
Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 296, S. 171f |