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528. Das Feuer erlischt

Der Hannes-Bicka-Lenz, er hat es oft erzählt, war spät an einem Abend im Herbst, als alles Vieh fort und kein Mensch mehr auf dem Stafel war, in der Alphütte auf Latschätz eingekehrt, um zu übernachten. Er wollte sich zum Nachtmahl ein Stück Fleisch sieden und hatte bereits ein Feuer angemacht, das lustig brannte. Er nahm einen Kübel und ging zum Brunnen um Wasser. Während er wartete, bis das Geschirr voll war, sah er mit einemmal einen Hund und er glaubte nichts anderes: „Das ist ja des Nachbars Hund" — und er rief ihm zu: „Kurasch, bist du auch noch da?" Sofort sprang das Tier wie ein Pfeil davon. Als Lenz in die Hütte kam, erlosch auf einmal das Feuer und er stand im Dunkel da. Trotz aller Mühe gelang es ihm nicht, das Holz wieder in Brand zu setzen. Er kam zur Oberzeugung, daß es nicht mit rechten Dingen zugehe und fing in seinem Zorn heftig zu fluchen an. Doch jetzt flammte das Feuer hell empor und er konnte das Fleisch in dem an der Heli hängenden Kessel in Ruhe sieden.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 528, S. 283f