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509. Den Butz vertreiben

Vor einigen Jahren wurde auf Barthlomesberg ein Heimwesen verkauft, von dem die Rede ging, es sei ein Butz in der Stube, der habe auf der Ofenbank sein Nachtlager. Da sagte der neue Eigentümer: „Ich will es doch probieren, wer mehr Recht hat im Hause, der Butz oder ich!" Und er legte sich am Abend eigens auf die Ofenbank. Es dauerte nicht lange, so kam der Butz und zog ihn herunter. Er legte sich aber wieder hinauf. Da warf ihn der Butz im Nu wieder hinunter, und so ging es dreimal nacheinander. Nun fing der Mann an, fürchterlich mit dem Butz zu schimpfen und verfluchte ihn auf entsetzliche Weise, wenn er noch einmal in die Stube komme; er könne unters Dach hinauf; das Haus habe er gekauft und er wolle Ruhe haben. Nach langem Streiten und Schwören weinte der Butz laut auf und wollte traurig aus der Stube fort. Da mußte er aber noch versprechen, nie mehr vom Dachboden herunter zu kommen; oder er müsse ganz aus dem Hause fort. Der Butz versprach es und nun hatte der neue Eigentümer für immer Ruhe.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 509, S. 276