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519. Die Bütze

Ein Mann wanderte in heller Mondnacht von Schruns nach St. Gallenkirch. In der Fratte begegnete ihm eine Schar Bütze, die durch das Frattnertobel herunterkamen. Entsetzt wich er zur linken Seite aus. Seit dieser Stunde kränkelte er, keine Arznei wollte helfen. Endlich gab ihm ein erfahrener alter Mann, dem er sein Anliegen offenbarte, den Rat, sich an denselben Platz hinzustellen, auf welchem ihn die Bütze getroffen hätten. Er tat so. Die Bütze kamen richtig wieder und einer trat aus ihrer Reihe, ging zu dem Kranken hin und sprach: „Vor sieben Jahren steckte ich eine Ahle in diesen Stock. Jetzt will ich sie wieder mitnehmen." Er zog dem Wartenden eine solche aus dem Fuße und trat wieder zur Schar zurück, die lautlos vorbeihuschte. Von Stund an war der Mann gesund.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 519, S. 280