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587. Das Alräunle

Auf einsamer Höhe wachsen die "Alröli". Selten hat jemand das Glück, eines zu finden, und nur in den Nächten von "Unserfrauendrießnist" dürfen sie gegraben werden. Das geht nicht ohne Mühe und Gefahr, denn der Teufel kommt in Hundsgestalt, und wenn er den hingeworfenen Bissen gefressen hat, ehe der Alraunsucher seine Wurzel gegraben, so ist dieser verloren.

Alraunwurzel © Berit Mrugalska
Alraunwurzel ohne Blattwerk
Da die vom SAGEN.at-Team gehegten und gegepflegten Alraunen die
Urlaubszeit nicht gut überstanden haben, gabs eine Umtopfung.
Und siehe da, auch ohne Blätter ging es der Wurzel noch gut!
© Berit Mrugalska, Ende August 2005

Da hat es einmal ein Hirt gescheit angefangen. Er dörrte den ganzen Sommer hindurch einen hölzernen Knorren auf dem Herde, bis er steinhart war. Als der Teufelshund sich neben ihn steIlte, warf er ihm das Stück Holz vor und nun konnte er das Alräunle herausgraben, ehe der verkappte Teufel seinen Fraß verschlungen hatte. Mit der Alraunwurzel machte er dann sein Glück.

Auch ein zweiter, der das Alräunle besitzt, kann es zu seinem Vorteile benützen. Wehe aber dem dritten! Er ist unrettbar dem Bösen verfaIlen. Wer daher sein Alräunle nicht mehr behalten wiIl, soIl dieses, faIls er es selbst gegraben, gut einwickeln und an einen Ort legen, wo ein anderer es finden kann. Der Zweite aber soll die Wurzel, wenn sie ihm nicht mehr geheuer ist, irgendwo versenken, wo sie niemals ein Mensch in die Hände bekommt, damit keiner das Opfer des Schwarzen wird.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 587, S. 308