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482. Auf der Alpe Lün

Martin Josef Nuderscher hütete als etwa vierzehnjähriger Knabe auf Lün die Schafe. Nachdem das Vieh abgetrieben war, leistete ihm seine um einige Jahre ältere Schwester zeitweilig Gesellschaft. An einem Fronfast-Freitag abends legten sich beide wie gewöhnlich auf die Pritsche.

Während der Nacht gab es im Keller ein lautes Geräusch, und zwar in der Weise, als schaffe ein Senn die Milchbrenten an einen andern Ort. Dann fing es über ihnen auf dem Dache zu krachen an, als ob es in Stücke gehen müßte. Die beiden Geschwister waren wach und stießen sich gegenseitig an, aber zu reden wagten sie nicht. Nach einiger Zeit wurde es wieder ruhig.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 482, S. 265f