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457. Auf der St. Antöner Almeind

Ein Mann war auf dem Weg von Bludenz ins Montavon [Montafon]. Auf der St. Antöner Almeind verkam ihm ein Weible und rief ihn in den Wald hinauf. Als er in den Wald kam, saß auf einer Kiste voll Geld wieder ein Weible. Das sagte: „Wenn du mich erlösest, so gehört dir das Geld. Es kommt eine Spinne, die mußt du küssen; dann kommt eine Kröte, die mußt du auch küssen; dann kommt eine Schlange, die die Schlüssel zu der Kiste hat. Dieser mußt du drei Streiche geben, dann läßt sie die Schlüssel fallen, das Geld ist dein und ich bin erlöst. Die Schlange wird fürchterlich in die Luft schießen, aber sie kann dir nichts anhaben." Der Mann antwortete, beim Rückweg wolle er kommen. Darauf ging er auf den Gaues zu den Kapuzinern beichten und erzählte alles, was ihm begegnet war. Da versicherte ihm der Guardian, es werde ihm gewiß nichts geschehen. Nun wagte es der Mann und ging in den Wald, wo das Weible wieder auf der Kiste saß. Zuerst kam eine grausige Spinne gekrochen; als er sie geküßt, verschwand sie. Im gleichen Augenblick war eine Kröte vor ihm; aber auch die verschwand, als er sie küßte. Dann schlich eine Schlange herzu, die hielt die Schlüssel zwischen giftigen Zähnen. Er hieb sie einmal mit seinem Rütlein. Da wütete sie furchtbar. Er gab ihr den zweiten Streich, da spie sie Feuer. Als er sie das drittemal schlagen wollte, schoß sie hoch in die Luft. Er erschrak und schrie: „Jesses!" Da war die Schlange verschwunden, die Kiste Gold rollte in die Tiefe und das Weible weinte laut auf. Keinen Laut dürfe er von sich geben, hatte es ihm vorher gesagt, und nun hatte er es vergessen. Ach, klagte es, so manche hundert Jahre müsse es nun wieder warten! Dann verschwand es. Der Mann aber ging traurig heim.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 457, S. 255f