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Wilde Fahrt in Alpach [Alpbach]

Zu Lechen, einem Bauerngute im engen Grunde des Alpachthales, fuhr in uralter Zeit die Wildfahrt brausend daher und riß ein Kind, das vor dem Hause spielte, wie im Wirbelwind mit sich fort. Allein der Mutter glückte es noch, durch Beten und Segnen das arme Geschöpf der Wildfahrt abzujagen. Gleiches erzählt man im Thale Wildschönau, es habe einmal die Wildfahrt bei einem Bauernhause ein Kind, das zu wenig gesegnet war, mit sich fortgerissen; auf der anderen Seite des Thales habe sie dasselbe ganz wohlerhalten wiederum abgesetzt. In der Wildschönau, wo man die wilde Fahrt das "wilde Geschrei" heißt, herrscht der Glaube, von Zeit zu Zeit kommen auf einen bestimmten Platz die Hexen in großer Anzahl zusammen. Von dort fahren sie mit furchtbarem Lärm nach allen vier Weltgegenden auseinander und führen oft Leute im Wirbel mit sich fort. Sonst aber fügen sie diesen keinerlei Schaden zu. Wer sich, sobald das wilde Geschrei heranbraust, schnell auf den Boden wirft, über den geht es ganz und gar unschädlich hinweg. (Alpach, Wilschönau. Peter Moser.)

Quelle: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Tirol, Gesammelt und herausgegeben von Ignaz Vinzenz Zingerle, Innsbruck 1891, Nr. 13, Seite 7.