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DAS FÜGENER SCHLOSS Zu jener Zeit, als sich dies zutrug, hauste im Fügener Schloss der Fiegergraf mit seiner schönen Gemahlin. Die beiden waren kinderlos, und darum wendete die Frau, die ein besonders mildtätiges Herz hatte, ihre ganze Fürsorge den Armen der Umgebung zu, die sie wahrhaft mütterlich betreute. Nicht einer, der bittend ans Tor pochte, wurde abgewiesen, und die gute Frau hätte wohl lieber selber gehungert, als einen ihrer Mitmenschen darben zu sehen.
Nun konnte man den Grafen gewiss auch einen guten Mann nennen. Die übergroße
Freigebigkeit seiner Gemahlin bereitete ihm aber doch einige Sorgen, weil
er fürchtete, sie würde nach und nach alles verschenken, sodass
sie beide zuletzt noch selbst zum Bettelstab greifen müssten. Geben
ist schon recht, dachte er, aber alles hat seine Grenzen. Da er seine
Gemahlin in dieser Sache aber nicht zur Rede stellen wollte, damit sie
ihn nicht etwa für hartherzig ansehe, suchte er einen anderen Weg
und beschloss, sich beim Herrgott selbst Rat zu holen.
Zu diesem Zweck wanderte er hinauf zum Marienbergl, wo einer seiner Ahnen
eine hübsche Kapelle erbauen hatte lassen. Dort kniete er sich in
die Betbank und hielt lautlose Zwiesprache mit dem Herrn. Als er danach
ins Freie trat, hatte er eine höchst seltsame Erscheinung: Unter
ihm lag das Schloss, auf dem Dach desselben stand ein strahlender Engel,
der unablässig zur Dachluke hineinschöpfte. Was es war, das
konnte man nicht ausmachen, der Graf aber verstand das Zeichen des Himmels:
Durch Gottes Segen kommt tausendfach herein, was eine milde Hand den Armen
gibt. Fortan hatte der Graf keinerlei Bedenken mehr, seine edle Gemahlin
könnte ihn an den Bettelstab bringen.
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