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SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Tirol >> Sölland >> Sagen aus dem Kaisergebirge, Anton Karg, 1926 |
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Die Bären im Bärental und im Hinterbärenbad.
Wandern wir eine gute Viertelstunde weiter, so kommen wir zu der ansehnlichen Alphütte Hechleit. Gerne bereitet die Sennerin Nanni dem zu kurzer Rast einkehrenden Wanderer einen schmackhaften Kaffee. Abwärts geht es jetzt teilweise durch schattige Waldungen und über die Lichtung Haslboden, wo gerne Rehe äsen, hinab in das Bärental zu einem wahrhaftigen Bärennest. Ein Steig führt über den breiten Bach. Die mächtigen Steinklötze im Flußbette, hinter welchen man glaubt, die zottigen Wildfange hervorgrinsen zu sehen, zeigen die Wildheit dieses Bergbaches. Nun geht es in einer geringen Viertelstunde hinauf auf das Längeck, und vor Freude möchten wir, da oben angelangt, ein frisches Juchhe in das vor uns sich unten ausbreitendem Bärenbad hinabrufen, aber unsere Freude wird in Schrecken verwandelt: die vom Hochwinkel und von den Scharlinger Böden abfließenden Gewässer ergießen sich in einen großen Teich und darin plätschert, sich lustig badend, ein Rudel brummender Bären. Durch das Tal herein ziehen weidesuchende Hirten mit ihren Kühen, Schafen und Ziegen. Kaum aber hatten die Ungeheuer diese Herde erblickt, so wollten sie schon darauf losstürzen. Aber in demselben Augenblicke überzieht eine mächtige Wolke die Spitze der Kleinen Halt und der Alberer, der schützende Geist der Almleute und des Almviehes, greift mit seinen mächtigen, langen Armen in den Felskoloß, reißt wuchtige Stücke ab und schleudert sie hinunter. Die abstürzenden Felsblöcke samt dem mitfahrenden Schutt begraben die Bären und füllen den Teich zu einem ebenen Plane aus.
Doch getrost, es ist nur die alte Sage vom Bärenbad. Der ausgefüllte Teich ist jetzt mit einer frischen, grünen Decke überwachsen und auf üppigem Grasboden weidet harmlos das Alpenvieh. Die Hirten hatten schon längst sich hier drei Hütten gebaut, von denen später zwei von der Sektion Kufstein des D. u. Oe. Alpenvereines angekauft und zur gastlichen Aufnahme für die Bergfreunde adaptiert wurden. Lange Jahre walteten hier die allen Touristen liebgewordenen biederen Pächtersleute, der Pauli und seine Nanni, ihres mühevollen Amtes, schließlich erwiesen sich aber auch die beiden Unterkunftshütten für den inzwischen riesig angewachsenen Touristenverkehr als zu klein, und so schritt man denn zum Baue eines stattlichen und anheimelnden Unterkunftshauses, das heute so ziemlich allen Anforderungen gerecht zu werden vermag. |