SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Tirol >> Seefeld

   
 

Christus in der Absetzkapelle

Die Kapelle oberhalb des Zirlerberges gegenüber dem Galgenangerl steht zwar auf dem Grund der Nachbargemeinde, hatte aber für die Bewohner von Reith immer große Bedeutung. Wer immer bergwärts oder talwärts unterwegs war, hielt hier seine Rast. Da waren Leithner Bauersleut auf dem Heimweg von den Türkenackern in Zirl und verrichteten vor dem Bild des Schmerzensmannes ihr Gebet, als ein Fuhrknecht aus Zirl ihnen talwärts entgegenkam. Er nahm nicht einmal seinen Hut vom Kopf und spottete:

"Gut geschmierte Bremsen sind wichtiger, als so einen Holzbrocken anbeten!"

Die Leithner erschraken ob dieser Gotteslästerung. Ungestüm hieb der Fuhrmann auf seine Pferde ein, und bergab ging es. Kurze Zeit darauf stürzte der Lästerer samt seinem Gefährt über eine Felswand in die Tiefe und war tot. Die Christusfigur in der Kapelle, die bis dahin den Kopf gegen Zirl richtete, blickt seither in Richtung Reith.

Quelle: Hans Schermer, Reith bei Seefled, Innsbruck 1985, S. 73.