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Das Ungeheuer vom Sonnberg

Einst lebte in Waidring am Sonnberg in einer großen Höhle ein wilder Drache. Dieses Ungeheuer konnte Feuer und Wasser speien. Er war gefürchtet in der ganzen Gegend, denn er konnte soviel Wasser speien, dass die Bäche über die Ufer traten und alles überschwemmte.

Dann wieder spie er Feuer, dass die Häuser und Wälder abbrannten. Die Leute getrauten sich im Tale nicht mehr anzusiedeln und die Fuhrleute machten lieber einen großen Umweg, um nicht in die Nähe des Ungeheuers zu kommen. Eines Tages versammelten sich die Leute in der Schäferau, um zu beraten, wie sie dem Untier Einhalt gebieten könnten, denn mit normalen Mitteln war ihm nicht beizukommen. Ein frommer Bauer hatte eine Marienstatue bei sich und machte den Vorschlag, zur Hl. Maria zu beten und sie um Hilfe zu bitten. Sie überlegten nicht lange und begannen zu beten und bitten. Drei Tage und drei Nächte lang! Am dritten Tage zog ein fürchterliches Gewitter auf. Es blitzte und krachte, dass einem fast der Atem stockte und sintflutartiger Regen kam auf der in der Folge löste sich an der Kopfkraxe eine gewaltige Mure. Diese Mure schüttete mit großen Steinen und Lehm die Höhle des Drachen zu und er war im Berginneren gefangen. Als sich das Unwetter verzogen hatte und die Leute sahen, was geschehen war, knieten sie nieder und dankten der Muttergottes für die Hilfe. Sie errichteten an dieser Stelle eine Kapelle um Jahr für Jahr zu danken und zu beten für die guten Ernten, die ja jetzt vom Drachen nicht mehr vernichtet wurden. Der eingeschlossene Drache speit vor Wut jedes Jahr von Zeit zu Zeit große Mengen Wasser aus und man kann dann am Sonnberg aus vielen Felsspalten das Wasser herausschießen und zu Tale rinnen sehen. Und seit dieser Zeit leben die Leute in Waidring glücklich und zufrieden in ihrem Tal.

Quelle: Die Sammlung der Waidringer Sagen wurde im August 2007 von Herrn Viktor Olivier und dem Tourismusverband PillerseeTal zur Verfügung gestellt.