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Die Dorfgrille

Während der Sommerzeit, wenn es dämmrig wurde hörte man im Dorf oft so zirpende, klagende Laute. Einmal vom Hausberg oben, dann wieder von der Hintergasse, dann vom Gasteig-Bichl und der Rettenmooskapelle. Die Leute im Dorf konnten sich nicht erklären, welches Wesen diese Laute verursachen könnte und schließlich einigte man sich und kam zu dem Schluss, dass es eine Grille sein müsste. Und so war die „Dorfgrille“ geboren.
Es rankten sich schreckliche Geschichten um sie, wenn jemand im Dorf gestorben ist, behaupteten die einen, wir haben die Grille schreien gehört, das ist ein schlechtes Zeichen und wenn ein Unfall passierte, sagten die Leute: „Ja das wundert uns nicht, denn gestern haben wir die Grille gehört.“ Und so wurde die Grille im Dorf fast gehasst und gefürchtet, denn wenn sie schrie, geschah nie etwas Gutes. Wenn am Abend die Kinder am Dorfplatz oder hinterm Haus spielten und rumtollten und nicht ins Haus gingen, kamen die Mütter heraus und sagten: „Passt auf, ich höre die Dorfgrille – geht sofort ins Haus, sonst kommt sie und packt euch!“ Und so wurde die Dorfgrille zum Kinderschreck im Dorf.

Diese Methode fällt zwar nicht unter moderne Erziehung, aber in die Trickkiste zu greifen ist bei Kindern allemal noch wirkungsvoll!

Quelle: Die Sammlung der Waidringer Sagen wurde im August 2007 von Herrn Viktor Olivier und dem Tourismusverband PillerseeTal zur Verfügung gestellt.