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Der Teufel stiftete Ehefrieden


Arzl, Stadtteil von Innsbruck (Tirol)
Blick gegen die Nordkette
© Berit Mrugalska, Februar 2004

In Arzl bei Innsbruck waren ein Bauer und eine Bäuerin, die miteinander in beständigem Unfrieden lebten. Eines abends nach Betläuten waren sie wieder einmal "z'krotzfecht'n kemmen" [handgreiflich werden], worauf der Bauer verdrossen das Haus verließ und in den Wald hinauf oberhalb Arzl spazieren ging. Auf einmal hörte er Tritte hinter sich und als er sich umwandte, gewahrte er, daß ihm der Teufel auf den Fersen war. Anfangs war der Bauer starr vor Schrecken, dann aber lief er, von Todesangst getrieben, so schnell er konnte, über die Felder zurück, und erreichte das Wegkreuz zwischen Mühlau und Arzl. Dieses umklammerte er und gelobte, den Herrgott erneuern zu lassen und gewiß nicht mehr zu streiten, wenn er noch mit dem Leben davonkomme. Die Nähe des Kreuzes und die inständigen Gebete des Bedrängten konnte der Teufel nicht aushallen und suchte alsbald das Weite. Der Bauer hielt sein Wort und war seitdem der beste Ehemann, den man sich denken konnte.


Quelle: Der Teufel stiftete Ehefrieden, Dörler, Tiroler Teufelsglaube, ZfVk. 9, 1899, 265 zit. nach Will-Erich Peuckert, Ostalpensagen, Berlin 1963, Nr. 205, S. 111