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Das Mooskirchl

In Grinzens bei Axams lebt ein Weiblein, das früher einmal vom Teufel besessen war. In jenem Zustand hatte sie der Teufel oft auf einen Schrofen unweit des Dorfes hinausgeführt und wollte sie von dort in die Waldschlucht der Sellrainer Ache hinabstürzen. Aber jedesmal hat sie der Himmel doch so weit in Schutz genommen, daß dem Unteren die Ausführung seines schwarzen Planes nicht gelang und er endlich von dem vergeblichen Beginnen abließ. Aus Dankbarkeit für ihre Rettung erbaute sie darauf an derselben Stelle, wo sie der Teufel hinunterstürzen wollte, aus einigen Pfählen und Latten ein kleines Kapellchen, tapezierte es innen mit schönen Tapeten und Heiligenbilteln aus und überdeckte außen die ganze Kapelle mit Moos, weshalb dieselbe das "Mooskirchl" genannt wird. Das Weiblein führte mich selbst zu dem Kirchl und hat mir viel von diesem Mirakel erzählt.

Quelle: Das Mooskirchl, Dörler, Tiroler Teufelsglaube, ZfVk. 9, 1899, 369 zit. nach Will-Erich Peuckert, Ostalpensagen, Berlin 1963, Nr. 217, S. 116