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DAS HEILIGE ANGESICHT

Schweisstuch der heiligen Veronika  © Berit Mrugalska

Schweisstuch der heiligen Veronika
Herz-Jesu-Kirche Innsbruck, rechter Seitenaltar
© Berit Mrugalska, Februar 2004

Ist man im Zweifel, ob jemand besessen ist oder nicht, so braucht man ihm nur ein mit dem Stempel von Rom versehenes Bild des heiligen Angesichts zu zeigen. Das geschah auch einmal bei einem sterbenskranken Trinser Dirndl, das halt alleweil ein bissele stolz gewesen war. Durch den Anblick des Heiligenbildes geriet es in schreckliche Raserei, sprang aus dem Bette und tobte so fürchterlich, daß man sofort um den Pfarrer springen mußte. Dieser war aber ein sehr nachlässiger Geistlicher, dem der Teufel solche Dinge vorwerfen konnte, daß er sich schleunigst wieder entfernen mußte. Ein anderer Geistlicher, namens Weiß, der vor einigen Jahren in Innsbruck gestorben ist und ein sehr fleißiger Herr war, hat den Teufel gleich ausgetrieben.

Anmerkung: Es handelt sich wohl um das "Schweißtuch der hl. Veronica"

Quelle: Dörler, Tiroler Teufelsglaube: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 9, 1899, 369
Aus Will-Erich Peuckert, Ostalpensagen, Berlin 1963, Nr. 213, Seite 115