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DIE HARMLAN (HERMELIN, WIESEL)

Mit diesen Tieren darf man nicht spaßen, denn wenn man sie angreift, dann rächen sie sich furchtbar; sie haben einen giftigen Hauch. Wenn man ein Harmle verfolgt und ihm Steine nachwirft und es zu töten versucht, läuft es zwar fort, aber es holt nur Hilfe. Sogleich erscheint es wieder mit vielen anderen Harmlan. Sie beißen vom „Harmlakraut" ab und blasen mit ihrem giftigen Atem den Verfolger an und der muß dann sterben. Was das für ein Kraut ist, weiß kein Mensch. In alten Zeiten soll es vielen Menschen, besonders bösen Hirtenbuben so ergangen sein, wenn sie in roher Weise diese unschuldigen Tierlein mit Steinen verfolgten und sie erschlagen wollten. Wenn man ein Harmle schießt, dann muß man sehr schnell das tote Tier nehmen und schleunigst davonlaufen. Denn auf den Schuß hin kommen viele andere Harmalan und suchen den Jäger anzublasen. Je mehr man wegschießt, desto mehr kommen. Und so mancher Jäger kam so elend ums Leben. Und es ist ihm auch recht geschehen; denn zu was braucht er so unschuldige, harmlose, schöne Tierlein zu töten, die doch keinem Menschen etwas zu Leide tun, wenn man sie in Ruhe läßt.

Falkner, Christian, Sagen aus dem Ötztal, in: Ötztaler Buch (= Schlern-Schriften 229), Innsbruck 1963, S. 142
aus: Sagen und Geschichten aus den Ötztaler Alpen, Ötztal-Archiv, Innsbruck 1997