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DIE WILDEN FRÄULEIN AUF HAMRACH

Oberhalb des berühmten Skiparadieses Hochsölden auf der Hamracher Alm gibt es „Freilaslöcher". Das sind Löcher, die tief in den Boden hinuntergehen. Wirft man Steine hinunter, macht der Hall den Eindruck, als ob eine Stiege hinunterführte, über die die Steine rollten und zuletzt, wenn sie ganz unten ankommen, hört man einen Ton wie das Klingen eines Kessels. Die alten Leute haben oft erzählt, daß da drunten die Kochkessel der wilden Fräulein seien. Ein neugieriger Hirtenbub wagte sich einmal mit einem Licht in das Loch hinunter, doch kaum war er einige Schritte in der finsteren Höhle vorwärtsgekommen, da kam ein wildes Fräulein und blies ihm das Licht aus. Seitdem wagte es niemand mehr, in das Loch hinunterzusteigen. Die wilden Fräulein haben daraufhin die ganze Gegend verflucht, daß sie wieder einmal vom Ferner bedeckt werden soll.

Falkner, Christian, Sagen aus dem Ötztal, in: Ötztaler Buch (= Schlern-Schriften 229), Innsbruck 1963, S. 132
aus: Sagen und Geschichten aus den Ötztaler Alpen, Ötztal-Archiv, Innsbruck 1997