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DIE HEUGABEL

Es waren einmal zwei Bauern, die nahe beisammen wohnten. Der eine davon hatte an einem Sommertag viel Heu zum Einheimsen auf dem Feld liegen. Da ersuchte er den Nachbar, er möge ihm helfen, da Heu eintun. Der aber wollte davon nichts wissen. Der andere war gezwungen, allein mit seinen Söhnen zu arbeiten. Nachmittags, als er das Heu zu einem Schober zusammengebracht hatte, kam ein Wirbelwind, nahm das Heu in die Lüfte und trug es davon. Der Bauer war zornig darüber, nahm die Gabel und warf sie nach, sprechend: Weil der Teufel das Heu fort hat, soll er die Gabel auch dazu haben. Die Gabel flog auch davon.

Bald darauf erkrankte der Nachbar. Der andere wußte es zwar, aber weil er ergrimmt war, besuchte er ihn nicht. Das dauerte ein ganzes Jahr, ohne daß der Nachbar gesundete. Endlich dachte er sich, als die Sache verraucht war, er müsse sich doch zu einem Besuch bequemen und ging hin. Er fragte ihn, wie es ihm gehe und erhält zur Antwort, daß es ihm schlecht gehe. „Kann dir kein Doktor helfen?" „Nein, Doktor kann mir keiner helfen, aber du könntest mir helfen." - „Ich? Wieso?"

Auf diese Frage deckte der Kranke das Bett ab und da erblickte er die Heugabel in seiner Hüfte. Er zog sie heraus und der Nachbar war gesund.

Haid, Hans, Unveröffentlichte Sagen aus dem Ötztal, in: Tiroler Heimatblätter, 45. Jg., Heft 4-6, 1970, S. 65
aus: Sagen und Geschichten aus den Ötztaler Alpen, Ötztal-Archiv, Innsbruck 1997