SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Tirol >> Gschnitztal, Navis Tal, Schmirntal, Valser Tal

   
 

TRUDEN UND HEXEN IM VALSERTAL

Der Fidler-Hans sagte einmal: "Wenn es eine Trude gibt, so soll sie kommen!" Und sie kam; er hörte sie beim Fenster hereinkommen. Sie drückte ihn, bis er kein Glied mehr rühren konnte. Auch soll sie ihm etwas gesagt haben, was er als Geheimnis mit ins Grab nahm.

Den Micheler soll einmal eine Trude in seinem alten Haus gedrückt haben. Er versprach ihr etwas, wenn sie ihn in Ruhe lasse. Am anderen Tag kam ein ihm bekanntes Weiblein. Da er von ihr nichts Arges dachte, gab er ihr nichts. Als sie eine Weile gewartet hatte, sagte sie: "Geben tust du mir nichts, so muß ich wieder gehen!" Da wußte er, wer die Trude war. - Die Nachbarin, die es mir erzählte, wußte den Namen von dem Weiblein; mir ist er entfallen. Man hätte ihr drei weiße Gaben geben müssen: Mehl, Topfen und weiße Wolle.

Einmal sollen zwei Weiberleute ins Valsertal hineingegangen sein. Sie hätten am Bergl gewisse Stellen abgegangen. Ein Mann, dem sie nicht ganz geheuer vorkamen, ging nach St. Jodok und ließ Wetterläuten. Die Weiber mußten daraufhin unverrichteter Dinge abziehen. Sie meinten: "Wären nicht die Joaser Schellen gewesen, würden wir das Valsertalele schon hinausgeschwenzt haben!"

Ein anderes Mal sah der Herr Kurat, der Herr Jörgele, vom Widum aus zwei verdächtige Frauen hereingehen. Weil der Herr Jörgele ein überaus frommer Priester war, der oft mehr sah als gewöhnliche Leute, erkannte er, daß die zwei Frauen nichts Gutes im Schilde hatten. So lief er, so schnell er konnte, durchs Tal hinein, um den Frauen zuvorzukommen. Dort, wo heute die Bahn den Bogen macht, ging eine Brücke zur anderen Talseite. Dort zwang er die Weiberleute zur Umkehr, sie aber sagten später: "Wäre der Schwarze nicht gewesen, hätten wir das Tal schon hinausgeschwenzt!"

Auch auf den Almen war es früher nicht ganz geheuer. Als Martlas Ander (Andrä Eller) in der Alpein die Ochsen hütete, hatte der Wolfer-Wirt sieben Rösser droben. Als er einmal in der Frühe aufstand und zu den Rössern hinaufschaute, sah er droben ein Roß tot liegen. Über einem Roß sah er etwas wie einen Menschen sitzen, aber mit Hörnern auf dem Kopf. Da machte er sich schnell auf den Weg, um den Wirt zu verständigen. Er machte den Weg, der sonst drei Stunden braucht, in unglaublich kurzer Zeit. Als der Wirt die Botschaft gehört hatte, sagte er: "Wir müssen die Rösser so schnell wie möglich abtreiben, sonst sind sie alle hin!" Als sie hinaufkamen, war schon ein zweites Roß verendet.

Der Hansen-Seppl war durch viele Jahre Hirte in der Alpein. Er erlebte folgendes:

Einmal hörte er ein Sausen in der Nacht ähnlich dem des Windes. In der Früh waren nur mehr ein paar Stück Vieh in der Alm, und die waren wild geworden. Einige waren herunten im Allerer-Berg, die letzten fand er beim Zscheisch-Fall, an der anderen Talseite von der Nerker-Alm hinein. Als später wieder einmal, aber bei Tag, das unheimliche Sausen kam, besprengte er sich und das Vieh mit Weihwasser; sogleich hörte das Sausen auf.

Quelle: Heinrich Fidler in 'Heimatsagen aus Vals', in: Tiroler Heimatblätter, Heft 7/9, 1967, Seite 82 - 83