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Der Reiter mit dem Flammenschwert

An Natters' Gotteshaus, gleich Immergrün,
Rankt sich empor die Sage, schön und kühn:
Als anno Neun ein starker Bayernschwall
Gestürmt das Dorf, das offen war, ohn' Wall,
Ein Häuflein Bauern wehrte wacker sich
Den ganzen Tag; doch als es Abend war
Und manch ein schwer Geschütz das Dorf bestrich,
Erlahmten Mut und Kraft der kleinen Schar. -
Da siehe, sieh! Ein Krieger hoch zu Pferd,
Nun aus der Kirche sprengt, ein Flammenschwert
In starker Hand, und stürzt sich auf den Feind;
Der Schimmel rennt mit sturmesjäher Wucht,
Die Bayern stehen plötzlich wie versteint,
Dann stieben sie davon in wilder Flucht. -
Zu Natters an der Kirche hohen Turm
Erinnert ein Geschoß an jenen Sturm,
Und am Michelitag, dem Schutzpatron
Zum Danke, Böllerknall und Prozession.

B. Del-Pero.

Gewährsmann dieser Sage ist der 82jährige Hans Herrnegger aus Natters.

aus: Tiroler Heimatblätter, November 1924, S. 11