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Eine Sage vom wilden Mann

"Im Dorfe Arzl bei Innsbruck erzählt man sich folgendes Geschichtchen:

Auf einer Bergwiese waren einst sieben Taglöhner mit Abmähen des Grases beschäftigt. Da das Mahd hoch über dem Dorfe lag und sie nach Feierabend den weiten Weg ins Dorf hinunter nicht mehr machen wollten, trugen sie etwas Heu in ein kleines, am Waldesrand gelegenes Städelchen, um darin zu übernachten. Hierauf machten sie sich´s bequem und vergruben sich bis zum Kopfe im Heu. Es war noch nicht ganz finster, als plötzlich die Stadelthüre aufgerissen wurde und zum nicht geringen Schrecken der Mäher der wilde Mann seinen Kopf herein steckte. Als er ihrer ansichtig wurde, betrachtete er sie eine Weile und brummte:

"I woaß den Wold
Dreimol jung und dreimol olt,
Ober so a Viech mit sieb´n Kepf hun i no ninderst g´sechn as wie do!"

Darauf machte er die Thüre wieder zu und trottete seines Weges weiter."

Wilde Männer in Arzl © Berit Mrugalska
Zwei (neuzeitige) wilde Männer tragen in Arzl ein Auto fort
© Berit Mrugalska, 20. Juli 2004

Quelle: A.F. DÖRLER, Waldfanggen und Elben in Tirol, Zeitschrift für österreichische Volkskunde 3, 1897, 289f.
von Dr. Dietrich Feil, freundlicherweise für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
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