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Der Schatz auf Hohenburg

Im Schloßhügel von Hohenburg bei Igls leibt schon seit uralter Zeit ein Schatz verborgen, der früher manchmal als hoch auflodernde Flamme blühte.

Als einmal in der heiligen Nacht die Leute in die Christmette nach Igls gegangen waren, und nur ein altes Weib in dem Bauernhause bei der Hohenburg zurückgeblieben war, sah dasselbe auf einmal im Schlosse alles erleuchtet. Da dem Weibe das Licht ausgegangen war und es das Feuerzeug nicht finden konnte, gieng es hinüber, um sich dort Licht zu holen. Wie die Alte ein Zimmer betrat, sah sie in demselben eine Frau vor einem Kohlenfeuer sitzen. Dieser trug sie ihre Bitte vor. Freundlich lächelnd gebot sie dem Weibe, die Schürze aufzuheben. Dieses that, wie ihm befohlen wurde. Darauf langte die Frau nach den glühenden Kohlen und warf dieselben der Alten in Fürtuch. Erschreckt schüttete aber das Weib die Glut wieder aus, weile s glaubte, die Schürze müsse ihr verbrennen. Da seufzte die Frau tief auf und sagte:

"Hättest du die Kohlen nach Hause getragen, so wären sie zu eitel Gold geworden, und ich hätte eingehen können zum ewigen Frieden".

Jetzt wurde es wieder finster, und das Weib kehrte traurig in ihr Heim zurück.

Quelle: Sagen aus Innsbruck's Umgebung, mit besonderer Berücksichtigung des Zillerthales. Gesammelt und herausgegeben von Adolf Ferdinand Dörler, Innsbruck 1895, Nr. 50.