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Der goldene Küch'lspieß

Einst machte Doctor Thephrast einen Spaziergang von Innsbruck nach Amras; da kam er an einem Bauernhofe vorbei, auf dem er einmal ein Kind kurirt [kuriert] hatte. Die Bäurin sah ihn, und dankbar eingedenk seiner Wohlthat lud sie ihn ein, zu ihr einzutreten, und bewirthete ihn mit frischgebackenen Nudeln (Krapfen). Darauf wollte sich de Doctor hinwiederum dankbar erzeigen, er nahm den eisernen Küchlspieß (das Kucheneisen) und überstrich ihn mit einer gelben Salbe, worauf derselbe sich alsbald in pures Gold verwandelte.

Selbiger Spieß ist hernachmals der Bäurin um schweres Geld abgekauft worden, und in die Amraser Sammlung gekommen, allwo er sich noch befindet, dermalen im Belvedere zu Wien und hoffentlich bald wieder in Amras.

Quelle: Mythen und Sagen Tirols, gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Zürich 1857, S. 306f, Nr. 7