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Innsbruck (Reisebericht 1846)

liegt am Fuße dieser Gebirgsdekoration im Innthale, in welches das Wippthal ausläuft *). Beim Herabsteigen vom Schönberg wird von dieser Provinzialhauptstadt zuerst die Abtei Wilten gesehen, deren Gebäude und Kirchen einen vorteilhaften scenischen Vordergrund bilden. Die Stadt breitet sich in den: weiten grünenden Thal gefällig aus, und obgleich eine regelmäßige Anlage vermißt wird, wirkt die verschiedenartige Vertheilung der Häusergruppen doch nicht störend. Zu dem freundlichen Eindruck, den ihr Anblick von dieser Seite hervorbringt, trägt der Umstand wesentlich bei, daß sie nicht, wie man vermuthen könnte, aus einer Mehrzahl von alterthümlichen, sondern im Gegentheil von neuern Gebäuden besteht. Dieselbe Hochgebirgskette aber, welche ihren Hintergrund bildet und in der Ferne von herrlicher Wirkung ist, drückt in der Nähe, und am meisten in der Stadt

*) Das obere Wippthal ist die Strecke von Brixen bis Sterzing, das untere die vom Brennergebirg bis Innsbruck. Hauptthal ist das Eisackthal, vom Ursprung des Eisack auf dem Brenner bis Botzen [Bozen].

selbst. Der Inn dagegen, mit einem breiten Quai und Baumpflanzungen und mit der Mühlauer Kettenbrücke und der Innbrücke trefflich ausgestattet, schafft, obgleich nicht mit Schiffen befahren, dennoch einen belebten Anblick. Innsbruck, 1815 Wiener Fuß über der Meeresfläche gelegen, nach der neuesten Zählung von 11,926 Individuen in 623 Häusern bewohnt, besteht aus zwei durch den Innfluß getrennten Theilen, wovon der jenseitige am Höttingerberge der minder beträchtliche ist, während der diesseitige die eigentliche Stadt ausmacht. Diese wird in eine Alt- und Neustadt eingetheilt. Die Häuser der Altstadt, mit Laubengängen nach italienischer Sitte versehen, sind mehrentheils von älterer, schlechter Bauart, während die Neustadt nicht nur mit bessern, sondern auch mit einigen palastähnlichen Gebäuden ausgestattet ist. Zu einem ganz neuen Stadttheil wächst die Museumsstraße heran, woselbst seit etlichen Jahren in erstaunlich raschem Bau Reihen von stattlichen Gebäuden entstanden sind. Innsbruck ist durch eine zweckmäßige Feuerordnung, eine entsprechende Beleuchtung und ein gutes Straßenpflaster vor vielen Provinzstädten ausgezeichnet. Das strenge gehandhabte Verbot, Cigarren auf der Straße zu rauchen, worauf ich Fremde aufmerksam mache, ist nicht zu tadeln, nachdem die meisten Häuser mit Schindeln eingedeckt sind. Es ist übrigens gestattet, der geschlossenen Tabakspfeifen sich zu bedienen. Zu genau nimmt man es dagegen mit den Hunden, denen der Wasenmeister nachstellt und sie einfängt, wenn sie kein Halsband haben, oder Name und Wohnort des Eigenthümers nicht darauf angegeben sind. Der Eigentümer wird überdies zu einer Pön von 1 Gulden C. M. verhalten, die dem Einfänger des Hundes zu Gute kommt. Von dieser Behandlung sollten Fremde ausgenommen seyn, weil sie die diesfällige, nur für die Stadt Innsbruck geltende Verordnung nicht wissen können, und diese nicht durch Straßenanschlag bekannt gemacht ist.

Alterthümliche Vaudenkmale von Kunstinteresse besitzt Innsbruck, mit Ausnahme des goldnen Dachlgebäudes, keine. Dieses ist Ueberrest der vom Herzoge Friedrich mit der leeren Tasche erbauten Fürstenburg, wovon aber wenig mehr als das stark vergoldete Kupferblechdach übrig seyn dürfte. Die Fresken und die schönen Wappenschilde an den Erkern gehören der Zeit Kaiser Maximilians I. an. Aehnliche gut gearbeitete Wappenschilde von Privaten sammt einer ganzen Ritterstatue sind an einigen Häusern der Hofgasse zu sehen, und sind der Beachtung von Kunstfreunden des Mittelalters nicht unwerth. Der alte, massenhafte Stadtthurm am Stadtplatze zeigt einen plumpen, sackähnlichen, unschönen Aufsatz, der wohl erst in späterer Zeit hinzugekommen seyn mag. Von neuern öffentlichen Gebäuden ist die Hofburg, deren Vorderseite auf den Rennplatz geht, das umfangreichste. Man bemerkt daran die ziemlich steife Nachahmung des französischen Baustyls des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts, wird aber von der Größe und dem frischen Aussehen desselben freundlich angesprochen. Sehenswerth sind die kaiserlichen Gemächer dieses Residenzschlosses, namentlich der zahlreichen Habsburg - lotharing'schen Familienbildnisse wegen. Eine Abtheilung desselben bewohnt der Gouverneur, auch sind hier die Amtszimmer der Regierung und des Kammerzahlamtes. Das Universitätsgebäude ist in baukünstlerischer Beziehung nicht nennenswerth, das Landhaus nur als ein schwerer Prachtbau neuerer Zeit. Eben zur Vollendung gebracht ist das Ferdinandum, d.i. das Nationalmuseum zur Sammlung aller tirolischen Natur- und Kunsterzeugnisse. Das Aeußere zeigt würdevolle Einfachheit, doch erscheint das Giebelfeld mit Reliefarbeiten von Klieber durch Figurenhäufung etwas gedrückt, auch dürfte diesem Gebäude die entsprechende Tiefe fehlen. Diese ist namentlich bei dem ebenfalls ganz neu hergestellten Schauspielhaus zur Höhe nicht im gehörigen Verhältnisse.

Die Jakobspfarrkirche, ein fester Bau im modernen italienischen Styl, ist fast eine Nachahmung des Salzburger Doms, mit dem Unterschiede, daß die Kuppel über dem Presbyterium angebracht ist. Die Altäre sind, wie dort, alle von Marmor, und den Hochaltar schmückt ein vom ältern Cranach auf Holz gemaltes Marienbild.

Egid Schor und Johann Grasmair verfertigten die Gemälde der Seitenaltäre. Das bei weitem anziehendste Kunsterzeugniß, das Grabmal Maximilian's des Deutschmeisters, aus mehreren plastischen Vorstellungen bestehend, hat man auseinander gerissen und damit die Sakristeipforten am Hochaltar verziert. Das meiste Kunstinteresse erregt die Hof- oder Franziskaner-, eigentlich heil. Kreuzkirche, die mehr Museum der Erzbildnerei als Kirche ist. Im Mittelschiff ist das Grabmal Kaiser Marimilian's I. angebracht, von einem unförmlichen Eisengitter umschlossen. Auf der Decke des Sargs ist der Kaiser lebensgroß, knieend, die Hände zum Gebet gefaltet, zu schauen. Diesen Erzguß verfertigte der Sicilianer Ludwig del Duca, und die an den vier Ecken der Decke angebrachten Statuetten, die Tugenden der Gerechtigkeit, Klugheit, Stärke und Mäßigkeit vorstellend, der Metallgießer Joh. Lendenstreich. Die Seitenflächen des Sarges, in 24 Felder getheilt, enthalten auf eben so vielen Marmortafeln die merkwürdigsten Kriegs- und Friedensthaten dieses Herrschers in erhabener Arbeit. Alexander Collin von Mecheln hat mit dieser Hervorbringung seiner Kunstmeisterschaft ein dauerndes Denkmal gesetzt. Schöpferisch groß war der Gedanke, den Kaiser gleichsam mit einem Hofstaat von Fürsten zu umgeben und diese zu Wächtern seines Grabes zu machen. Zwischen den Marmorsäulen der Kirche stehen achtundzwanzig übergroße Erzstatuen, Helden und gekrönte Häupter und betende edle Frauen, Alle dem Denkmal zugewendet. Die Idee fürstlicher Umgebung des Herrschers ist im Thronsaal der Münchner Hofburg zum andern Male verwirklicht. Kaiser Maximilian ist übrigens nicht hier, sondern in der Hofkirche zu Wiener-Neustadt begraben. Er starb auch nicht in Innsbruck, sondern in Wels *). An die erwähnten achtundzwanzig großen Erzstatuen reihen sich noch dreiundzwanzig kleine Heiligenstatuen, welche sich in der sogenannten "silbernen Kapelle" befinden, vorher aber in der Kirche aufgestellt waren. Diese Kunstgebilde übertreffen die größern bedeutend an Werth, obgleich nach den Angaben tirolischer Schriftsteller alle zusammen von den vier Stück- und Büchsengießern: Godl (Melchior und Stephan), Lendenstreich und Löffler verfertigt seyn sollen. In der silbernen Kapelle befinden sich die marmornen Grabmäler des Erzherzogs Ferdinand (Sohn Kaiser Ferdinands I.) und seiner Gemahlin, der Philippine Welser, Tochter eines Patriziers von Augsburg, fast gewiß eine Arbeit Collins.


*) Da diese Statuen zur Regierungszeit Kaiser Ferdinands I. verfertigt wurden, so ist es bemerkenswerth, daß man damals Maximilians Vater, Friedrich, nicht, wie heutzutage, als den IVten, sondern als den IIIten in die Kaiserreihe setzte. Seine Statue trägt die Überschrift: Fridericus tertius.


In der Kirche endlich ist noch das Denkmal des heldenmüthigen Landesvertheidigers Andreas Hofer. Schaller hat die Statue, Klieber die Reliefvorstellungen nach Schermers Zeichnung gemeißelt. Zu dem Schmerze an Hofers tragischen Ausgang gesellte sich mir unwillkürlich der Gedanke, ohne denselben wäre seine Verherrlichung vielleicht minder groß. Beklagenswerth ist nebenbei Hofers selbstverschuldetes Unglück. Von seinen Freunden dringend zur Flucht ermahnt, beharrte er, seiner Rettung blind vertrauend, auf dem Entschlüsse, zu bleiben, ward verrathen und schmählich gemordet. Hofers Hinrichtung ist ein Schandstecken in Napoleons Geschichte, denn sie beweist, daß er, der selbst nach Größe strebte, sie an Andern nicht ertrug und achtete. Hofers Grabmal gegenüber ist ein anderes, vom Lande Tirol seinen im Befreiungskriege gefallenen Söhnen gewidmetes Denkmal zu sehen. Idee und Ausführung verdienen die vollste Anerkennung. Es ist von Krismair in Rom verfertigt, und erst vor etlichen Jahren aufgestellt worden. - Dem kaiserlichen Schlosse gegenüber, nahe am Schauspielhause, ist die kleine Reiterstatue Leopolds V. von Tirol (1623 - 1632), auf ein etwas zu hohes Fußgestell gesetzt, zu sehen. Edel war es von seiner Gemahlin, Claudia von Medicis, sein Gedächtniß in diesem Denkmal zu erhalten. Im Kapuzinerkloster ist die einsame Wohnung Marimilian's des Deutschmeisters von Interesse. Dieser Herr pflegte jährlich 5 - 6 Wochen geistliche Uebungen, welche eine strenge Zurückgezogenheit von der Welt bedingen, anzustellen. Er wählte dazu das Kapuzinerkloster, und ließ von fünf bis sechs kleinen Wohnstücken zwei getäfelte zu Empfangszimmern, die übrigen mit Grottensteinen ausgelegten zu einer Einsiedelei herrichten. Einige hölzerne Gerätschaften hat er selbst verfertigt. In diesen Gemächern sind einige Habsburgische Fürstenbildnisse zu sehen, namentlich das von Maximilian selbst, das seines Vaters, die Porträte des Kaisers Matthias und seiner Gemahlin Anna, der Erzherzogin Magdalena, Tochter Kaiser Ferdinands I., der Herzogin Margaretha von Ferrara u. s. w. - In der Neustadt, und zwar am südlichen Ende derselben, bemerkt man eine Triumphpforte von Sandstein mit gemeißelten Vorstellungen (Standbilder und Reliefs) in Marmor, welche Bezug auf die Vermählungsfeier Kaiser Leopolds II. und die damalige Anwesenheit der Kaiserin Maria Theresia mit ihrem Gemahl, Franz I., und zugleich Bezug auf den Tod des Letztern haben, der während dieser Feier plötzlich starb. Die den Skulpturen dieses Bauwerks beigelegte außerordentliche Kunstfertigkeit vermochte ich nicht herauszufinden. Sie sind vom damaligen Hofbildhauer Balthasar Moll verfertigt.

Innsbruck ist vorzugsweise mit Kirchen und Klöstern überhäuft. Der Erstern finden sich mindestens zehn bis zwölf zusammen. Von Ordenshäuser bestehen die der Franziskaner, Jesuiten, Serviten, Redemptoristen, Prämonstratenser (in Wilten), der Ursulinernonnen und der barmherzigen Schwestern; endlich haben sich seit etlichen Wochen auch die Karmeliterinnen in Innsbruck angesiedelt. Die Kirchen dieser Klöster besitzen meistentheils blos Gemälde von österreichischen und tirolischen Künstlern des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts. Wer die Manier dieser Zeit kennt, weiß in vorhinein, was er beim Aufsuchen dieser Kirchengemälde, findet. Wilten besitzt eine durch Nachschaffungen des gegenwärtigen Abtes.sich bereichernde Bücher- und Münzensammlung; die Servitenbibliothek ist bändereich, aber in einigen Fächern bedeutend mangelhaft, und kann vorzüglich Werthvolles nicht. aufweisen. Dieses ist dagegen mit der Universitätsbibliothek der Fall. In zwei großen, trockenen, lichten, sehr geräumigen Sälen, durch einen ebenfalls benützten breiten Zwischengang verbunden und mit Gallerien versehen, sind nach der zweckmäßigsten Anordnung 40,000 Bände, auf welche Zahl diese Sammlung in Folge der neuesten Erwerbungen aufgestiegen ist, aufgestellt. Die abgesondert zusammengethanen Erstlingsdrucke beginnen mit den Constitutionis Clementis V. von Fust und Schöffer 1460, und mit der Biblia latina 1462 von ebendenselben. Schon ausgezeichnet durch so frühe Drucke, ist es diese Inkunabelsammlung auch durch vorzügliche und seltene Erzeugnisse. Unter den Handschriften finden sich: Vorschläge der Jesuiten, wie dem Staatsschatze Kaiser Rudolph II. aufzuhelfen sey, ein anziehender Beleg für die politische Wirksamkeit dieser Ordensleute in Oesterreich. Ueber alles Vorhandene bestehen fleißig gearbeitete Verzeichnisse. Das Lesezimmer ist hell und geräumig, wird aber seit Anstellung der Jesuiten am Gymnasium von den Schülern desselben nicht mehr besucht. Die Büchersammlung des Ferdinandeum zählt ungefähr 1400 auf die Landeskunde bezügliche Werke. In dieser Beziehung ist die de Paul'sche reiche Handschriftensammlung (Bibliotheca tirolens), welche abgesondert aufgestellt, aber, wie es heißt, nicht Eigenthum des Museums, sondern des kaiserlichen Hofes ist, von vorzüglichem Werthe. Benutzt werden kann sie von Jedermann. Die übrigen Sammlungen des Ferdinandeum bestehen aus naturhistorischen im Erdgeschoß, aus einem Gemach im ersten Stockwerke mit etruscischen, keltischen, römischen und mittelalterlichen Ausgrabungen, aus drei Sälen mit mehr als 400 größtentheils einheimischen Erzeugnissen der Malerkunst, unter denen auch hübsche Glasschildereien, doch nur eine kleine Zahl alter Holzschnitzwerke befindlich sind; endlich aus einem Saale mit vortrefflichen neuen Arbeiten der Holzschneidekunst und andern plastischen Hervorbringungen. Die Münzsammlung ist noch nicht ganz geordnet und nicht reichhaltig. Industrie- und andere vermischte Gegenstände sind in einem mittleren Zimmer zusammengethan. Unstreitig ist Tirol durch die zur Schau gestellten Erzeugnisse der Malerei und Skulptur, hinsichtlich der Leistungen in der Neuzeit, am besten vertreten. Der Besuch dieser Anstalt gewährt sicherlich dem Einheimischen wie dem Fremden Vergnügen, und schafft die Ueberzeugung, daß in Tirol Sinn und Streben für Kunst und Wissenschaft nicht mangeln. Das Theater, als Kunst- und Geschmackveredlungsanstalt betrachtet, leistet im Schauspiel, bei dem besonders in der Posse eine sorgfältigere Wahl zu empfehlen ist, nicht ganz Befriedigendes; es ist aber auch erst wieder nach langer Unterbrechung der Anfang damit gemacht. Günstiger spricht sich das Publikum über die Oper aus, die vorzüglich zahlreichen Zuspruch hat. In Innsbruck besteht ein Musikverein, ein landwirthschaftlicher und ein montanistisch-geognostischer. Das Schützenwesen hat durch die neuesten Verwaltungsmaßregeln hier wie im ganzen Lande einen höhern Aufschwung genommen. In Innsbruck erscheint selbst eine eigene Schützenzeitung. Viele ziehen übrigens den Botzener Schießstand dem Innsbrucker vor. Die Wagner'sche, Rauch'sche und Pfaundler'sche Buchhandlung, womit für das Landesbedürfniß zur Genüge gesorgt ist, haben auch Selbstverlag. Rauch druckt meistentheils theologische Schriften, die Wagnerische Handlung strebt vorzugsweise nach streng wissenschaftlichem Verlag, was ihr als Provinzialanstalt sehr zur Ehre gereicht, von Pfaundler erscheint weniger, obgleich es im Uebrigen an Thätigkeit nicht gebricht. Im Casino ist eine, auch jedem von einem Mitgliede eingeführten Fremden offenstehende Zeitungsleseanstalt, der zwar, außer der Wiener und Augsburger Post- und Allgemeinen Zeitung, mindestens noch ein oder das andere politische Blatt zu wünschen wäre, weil man die Gegenstände, außer ihrer natürlichen oder aufgelegten Farbe, um sie klar zu sehen, auch in ihrer Abschattung kennen lernen muß, und nicht alle deutschen Blätter der Art verboten sind oder doch ausnahmsweise gestattet werden, wo übrigens von ernstern Schriften die deutsche Viertelschrift, die Wiener Jahrbücher, die Jenaer Literaturzeitung, das Leipziger Repertorium, Jordans slavische Jahrbücher, Görres historisch-politische Blätter u. s. w. getroffen werden. Daß man Schmidts österreichische Literaturblätter nicht anschafft (während man die slavischen Jahrbücher hält), zeugt hier und in allen einheimischen Leseanstalten, wo sie fehlen, von der Geringschätzung, womit man die Erzeugnisse des eigenen Landes behandelt. Bei der in Rede stehenden Zeitschrift ist diese Nichtbeachtung zugleich eine um so rügenswerthere Unbilligkeit, als sie anerkannt gut redigirt ist, und den Tirolern, was ihr eigenes Land betrifft, dadurch nicht zur Kenntniß kommt. Man sieht aus diesem Umstand, welch' geringe Aufmerksamkeit sie den allgemeinen Interessen widmen, und wie wenig sie wissen, was jenseits ihrer Landesgränzen, in Oesterreich, vorgeht.

Gasthäuser ersten Ranges sind die Sonne und der österreichische Hof, auch der goldene Adler; gute Mittelgasthäuser der Stern, das Rößl, der rothe Adler. Andreis und Misiol's Kaffeehäuser sind sehr empfehlenswerth, das letztere (dem Ferdinandeum gegenüber) ist so glänzend und zweckmäßig im Innern hergestellt, daß es in Wien zu denen ersten Ranges gehören würde, während ihm das erste in München nachsteht. Man wird aber auch im Hofgarten mit Speisen und Erfrischungen bedient. Diese Anlage, gewöhnlich an den Tagen der Musikproduktionen des Militärs am häufigsten besucht, ist zwar nicht von großer Ausdehnung, doch aber der bequemste und nächste Aufenthaltsort im Freien. Ein Gewächshaus dient zur Sommerszeit bei Regenwetter zur Aufnahme der Gäste. Das Badhaus zur Kaiserkrone verdient der guten Einrichtung wegen eine besondere Empfehlung. Von den nicht sehr fernen Umgebungen ist der Berg Isel und Schloß Büchsenhausen zum Spaziergang, wie als die bestgewähltesten einander entgegengesetzten Punkte für die Thal- und Stadtübersicht zu empfehlen. Der heitere, waldschattige Iselberg rückt den dreimaligen Sieg der tapfern Tiroler im Jahr 1809 in's Gedächtniß, und weckt selbst aus älterer Zeit ehrenvolle kriegerische Erinnerungen. Schloß Ambras, auf mäßiger Höhe, seiner Kunstschätze zwar entblöst, doch immer nicht ganz ohne Merkwürdigkeiten, ist ein anderer, vortrefflich gelegener Thalübersichtspunkt, der Hall näher rückt, und Innsbruck von der Westseite darstellt. Man gelangt in einer halben Stunde dahin *). Wer einen dreistündigen Bergsteig nicht scheut, besuche das sogenannte "heilige Wasser" in der Umgegend von Innsbruck, ein Punkt der reizendsten und ausgedehntesten Fernsicht.

*) Die Tiroler beklagen die Wegschaffung der Ambrasersammlung nach Wien. Dies ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken, da diese Sammlung das mittelalterliche Kunst- und Wissenschaftsstreben dieses Landes sehr lebhaft vergegenwärtigt. Gegen die Einziehung der Kunstschätze aus den Provinzen und ihre Anhäufung in der Hauptstadt der Monarchie läßt sich auch allerdings viel Wahres anführen. Für diese Vereinigung daselbst scheint aber ein überwiegender Grund zu sprechen, nämlich der, daß derlei Kunstschätze in Wien vor Feindesraub gesichert sind, weil sie im schlimmsten Falle nach Ungarn geschafft werden können, bis wohin ein feindliches Heer nicht leicht vordringt. Tirol ist Invasionen mehr als jede andere Provinz ausgesetzt, und hat. in Folge derselben viele werthvolle Produkte der Kunst und Wissenschaft unwiederbringlich verloren. Die jedesmalige Wegschaffung und Sicherung der sehr zahlreichen Ambrasersammlung, im Falle solcher Feindeseinbruch geschähe, ist unstreitig schwer zu bewerkstelligen und könnte sehr leicht ganz mißlingen. Darum, meine ich, ist es gerathen, sie in Wien zu lassen.

Quelle: Reise in Tirol in landschaftlicher und staatlicher Beziehung. Matthias Koch, Karlsruhe 1846, S. 154 - 167.