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Wie Haymo das Kloster Wilten gründete

Als Haymo den erschlagenen Mann vor sich liegen sah und wie sich die Blümlein neben ihm rot färbten, da erfaßte ihn Reue und Entsetzen über seine Bluttat. Schaudernd ließ er seinen Kopf auf die Brust herabfallen und ging mit bleischweren Schritten bergab. Aus dem Geäst des Tanns fuhr kreischend ein Waldvogel empor und krächzte ihn heiser an; am Wiesenrain zirpten die Grillen so grell und schrill, daß ihm die Ohren gellten und im Tal unten trieb der Inn ungestüm seine Wellen talaus, schlug sie wildaufschäumend an die Felsblöcke und gurgelte ihm aus schwarzem Grund unheimlich zu.

Ganz abgemattet kam so der Riese an die Stelle, wo er den Drachen erschlagen hatte.

Da sprach er zu sich selber: "Hier will ich bleiben und für meine Mordtat Sühne tun."

Er beugte sich dem Kreuze, nahm das Christentum an und gründete ein Kloster, dem, er nach der wilden Gegend den Namen Wilten gab.

Als der Bau vollendet war, da nahm er einen gewaltigen Stein und schleuderte ihn ostwärts. Dort, wo er niederfiel, setzte er die Grenze der Hofmark fest. Und so steht dieser Stein heute noch in den Amraser Feldern als Grenz- u Markstein der Pfarre Wilten und Ampaß und bezeichnet zugleich die Grenze der Felder des Stiftes.

Haymo selbst nahm im Kloster Wohnung, starb dort im 873 und wurde in einem Riesensarg in der Stiftskirche begraben.

Quelle: Hans Gamper, Wilten in der Sage, in: Wilten - Nordtirols älteste Kulturstätte, Hans Bator, Bd. I, 1924, S. 52f