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DIE FRAU HITT SAGE
Von Hans Hochegger. Aus: Die Kultur, Wien 15 / 1914


Die Frau Hitt-Sage ist weithin bekannt. Die Schuljugend Österreichs und Deutschlands lernt sie schon aus den Lesebüchern kennen. Die Geschichte von der grausamen Fürstin wird ihnen zur Warnung erzählt. Da möchte man gern den Ursprung der Sage wissen, die sich an das berühmte Felsgebirge bei Innsbruck knüpft. Kann man denn das Rätsel der Frau Hit ergründen ?

Frau Hitt, Innsbruck, Tirol
Innsbruck - Frau Hittspitze
Postkarte um 1900
Sammlung Morscher

Im "Tiroler Anzeiger" vom 24. Dezember 1912 habe ich eine Untersuchung über eine mißglückte Lösung dieser Frage veröffentlicht. Seither habe ich noch neue Beweispunkte für meine Anschauung gefunden. So will ich auch noch dieübrigen Hypothesen gründlich durchnehmen. Die vielen Zitate werden zeigen, wie sehr sich das gebildete In- und Ausland für diese Sage interessiert hat.

Ausgehen möchte ich von der wichtigsten neuen Hypothese, die der bekannte tirolische Historiker und Urgeschichtsforscher Schulrat Zösmair aufgestellt hat. Der Aufsatz nannte sich: "Wer war die Frau Hütt ? Lösung des Namens- und Sagenrätsels" 1). Zur besseren Übersicht will ich hier seinen Beweisgang kurz darlegen.

"Die Sage ist noch keine volle hundert Jahre nachweisbar..., der ältesten Art begegnen wir im Jahre 1813." In einem Festspieltexte 2) aus diesem Jahre wird von einem Bergmann erzählt, der seinen Freunden die "alte Sage" von der gottlosen Herrscherin Frau Hütt vorbringt, welche "... der schönen Wundergaben....sich allzu kühn vermaß und den, von dem wir alles haben, in ihrem eitlen Wahn vergaß....." und darum vom höchsten Richter zur Strafe als Steingebilde in die Höhe gehoben wurde. Zösmair schreibt nun: "Hier ist die Sage ganz kurz und so allgemein gehalten, daß wir nicht mit Sicherheit erkennen können, was für ein bestimmter Frevel der Sage zugrunde liege.

Im "Taschenbuch für vaterländische Geschichte" (1821) 3) wird der Frau Hitta erwähnt, welche so stolz und grausam war, daß sie einer hilfsbedürftigen Bettlerin anstatt einer milden Gabe Steine reichen ließ. "Hierauf ein Donnerschlag und ... Frau Hitt stand als Felsspitze auf dem Gebirgskamm über dem Inn."


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1) "Innsbrucker Nachrichten", 31. Dezember 1911, Nr. 298
2) G. M. Heigel, "Frau Hütt oder Der schöne Bund". Innsbruck, Wagner, 1813
3) Herausgegeben vom Freiherrn v. Hormayr. Wien, Strauß. S. 189 - 190


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Ein Gedicht im tirolischen Nationalkalender von 1822 1) bringt uns die letzte und bekannteste Fassung: die Riesenkönigin Frau Hitt ließ ihr beschmutztes Bübchen mit Brot reinigen und wurde zur Strafe für diesen Frevel mit ihrem Kinde sofort versteinert. - Von der zweiten Form glaubt Zösmair, daß sie dem historischen Hintergrunde noch ziemlich entspreche, während die dritte schon zu weit über das Ziel hinausschieße.

Wer aber war die Frau Hitt ? Der Name kommt schon seit Jahrhunderten vor; das Jagdbuch Maximilians 2) und alte Tirolerkarten 3) nennen das ganze Gebiet der Sattelspitzen Frauhuet, an Frauhutten, Frauhut..., was doch an "Hütte einer Frau" erinnert. - Das Kloster Chiemsee hatte in dieser Gegend reiche Besitzungen und besaß auch "ob Höttinger Perg" eine Alpenhütte - dies wird bewiesen durch einen Akt 4) aus dem Jahr 1440. Die Reichsäbtissin wurde darin einfach die "Frau" genannt; was ist also unter der "Frauhutten" anderes zu verstehen, als die Alpenhütte des Stiftes, welch dem Gebirgsstocke ihren Namen gegeben ? - Die grausame Herrschaft der Äbtissin war verhaßt. - Im Jahre 1803 bereitete der Reichsdeputationshauptschluß den meisten geistlichen Herrschaften des Deutschen Reiches (auch der Chiemsees) ein jähes Ende. So war der historische Hintergrund für unsere Sage gegeben, das Volk brachte den unverständlichen Ausdruck "Frauhütt" mit einer Person in Verbindung. Natürlich war das die Reichsäbtissin, welche die Frau war, die jede Weiblichkeit verachtete. . .

Es ist sehr unwahrscheinlich, daß eine erst damals entstandene Sage so schnell Gemeingut eines Volkes geworden wäre. Alte Leute sagen auch, sie wäre ihnen in ihrer frühesten Kindheit oft erzählt worden; daß sie sich schon 1807 auf den richtigen Felszacken bezog und allbekannt war, zeigen die Ergebnisse einer in diesem Jahre vorgenommenen Höhenmessung 5) in der Innsbrucker Gegend. Die Höhen des Brandjoches, der "Frau Hütt", des Sattelberges, des Seegrubenspitzes werden alle ganz genau angegeben. Wären sie nicht allgemein gut bekannt gewesen, so hätte eine nähere Erklärung folgen müssen. Es heißt ausdrücklich: "Die Frau Hütt", während sonst überall steht: "spitz, joch, berg".


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1) Innsbruck, Wagner. Gedicht von J. S., S. 98
2) Herausgegeben von Prof. Dr. Michael Mayr. Innsbruck, Wagner, 1901.
3) Burglechner 1611: Frauhut. Auf der Karte des Warmund Igl von 1605 fand ich: Frau Hüt M(ons). Bei Anich, 1774, kommen die Namen vor: Brand-Eck, Frau Hütt B., Sattel B.
4) Im Besitze des Gemeindearchivs von Hötting.
5) "Trigonometrische Höhebestimmungen der bekannten Berge um Innsbruck" von K. A. Fallon, im "Innsbrucker Wochenblatt", nr. 6 vom 10. Februar 1806, ferner im "Sammler für Geschichte und Statistik für Tirol und Vorarlberg", 3. Band, 1807, S. 224 ff.


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Ist hier die allgemeine Verbreitung vorausgesetzt, so war dies sicher auch bei Heigel der Fall. Er wollte, das merkt man bei der Lektüre seines Schauspiels, eben auf den bekannten Teil der Sage nicht weiter eingehen, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer nicht durch Nebensächliches von seinen tendenziösen Zusätzen 1) abzulenken.

Es gibt auch ältere Aufzeichnungen unserer Sage, die Zösmair jedenfalls nicht bekannt waren, sonst hätte er nicht schreiben können, man begegnete ihr zuerst im Jahre 1813 und dann 1821 und 1822. Schon die erste Auflage der "Deutschen Sagen" der Gebrüder Grimm von 1816 bringt als Nr. 233 die Erzählung von der "Frau Hütt", und zwar in der angeblich jüngsten Form Nr. 3. Dabei berufen sich die Herausgeber auf einen Aufsatz im "Morgenblatt" für 1811. 2) Die Grimmsche Fassung ist, wie der Vergleich beider zeigt, eine gekürzte Wiedergabe der ausführlichen Schilderung Matthissons.

Ihm verdanken wir den ältesten und bekanntesten Bericht von der Frau Hitt-Sage. Er steht im 5. Bande seiner Erinnerungen. 3) Matthisson war zweimal nach Tirol gekommen; zuerst 1799 als Reisebegleiter der Fürstin Luise von Anhalt-Dessau. Daß er sich schon damals um die Frau Hitt-Sage erkundigt habe, läßt sich mit Sicherheit aus der zitierten Quelle schließen und aus einer bewundernden Schilderung der abenteuerlichen Gebirgsformen bei Innsbruck in seinem Reiseberichte von 1799. 4)

So ist die Chiemseer Hypothese gefallen. Dasselbe Ergebnis können wir auch durch indirekte Beweise erlangen. Wurde denn ihr historischer Hintergrund so sicher nachgewiesen ? War die Äbtissin wirklich so verhaßt ? Die Beweise, die Zösmair dafür anführen kann, sind keinesfalls schlagend und liegen auch weit zurück im 13. und 15. Jahrhundert, während eine Sage, wie die von der Frau Hitt nur frischem, glühendem Hasse hätte entspringen können.

Ebensowenig nachweisbar ist das "auffällige Strafgericht" über die unbarmherzige Äbtissin. Das Jahr 1803 brachte zwar den Sturz der Chiemseer Herrschaft; machte sich das aber besonders bemerkbar, da so zahlreiche, ungleich wichtigere Stifte ihres weltlichen Besitzes zu gleicher Zeit beraubt wurden, wie in Tirol nebst vielen Klöstern die Bistümer Salzburg, Brixen, Trient und Chur ? Das Volk war an solches übrigens schon gewöhnt aus der Zeit Josefs II. Die Einziehung des chiemseeischen Besitzes mußte also vonstatten gehen, ohne hervorragendes Aufsehen zu machen.


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1) Verherrlichung des Bundes zwischen Österreich und Bayern
2) "Morgenblatt für gebildete Stände", 1811, Nr. 28 vom 1. Februar
3) Friedrich von Matthissons sämtliche Werke, 7. Band. Enthält: Erinnerungen, fünfter Teil. Neueste Ausgabe. Wien, Härter, 1817. S. 139 ff.
4) Auf Seite 64 ff. deselben Bandes.


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Es muß sich die Frage aufdrängen, warum man dann in den Beschreibungen Tirols von der Frau Hitt-Sage so gar nichts finden könne. Auch Zösmair berief sich zur Befestigung seiner Annahme darauf, daß im großen Werke des Matthias Burglechner, dem Tiroler Adler 1), diese Sage fehle, während andere darin erzählt seien. Es ist da aber zwischen Sage und Sage zu unterscheiden. Burglechner schrieb ein wissenschaftliches Werk über die Geschichte und Geographie Tirols. Damals galt vieles als historische Tatsache, was man heute mehr als historische Sage ansieht.

Wie wir gleichzeitige, aber verschiedene Namensformen finden, so begegnen wir auch zwei verschiedenen Erzählungen der Sage. Dies alles geht jedoch auf gemeinsamen Ursprung zurück. Die Bildung der einfachen Grundform Nr. 1 fällt aber freilich nicht in die Jahre nach 1803, sondern in eine weit zurückliegende Zeit, da auffallende Steingebilde den Menschen versteinerte Frevler schienen. 2) Die vielen, der unseren ähnlichen Sagen dürften sich größtenteils so gebildet haben; wir können aber in diesem Falle sogar noch mit einem historischen Hintergrunde aufwarten. Es ist das die Erinnerung an eine gewaltige Veränderung unserer Gegend in grauer Vorzeit, - eine Ansicht, welche Beda Weber 3) schon 1834 ausgesprochen und die Professor Blaas in wissenschaftlicher Weise überzeugend ausgeführt hat. 4) Er wies nach, daß die heutige Gestalt des Gebirgszuges durch gewaltige Brüche in postglazialer Zeit entstanden sei und daß es in unserer Gegend schon damals Menschen gegeben habe, welche solches erleben mußten, wie auf Grund der prähistorischen Funde in Hötting fast sicher anzunehmen ist. "Durch Jahrhunderte mag die Erinnerung an solch erschütternde Vorgänge von Geschlecht zu Geschlecht überliefert worden sein, bis sie endlich die uns vorliegende , dem Bewußtsein von der gerechten Vergeltung entsprungene Form angenommen hat."

Man sah die Versteinerte. Was war ihre Schuld ? Die Phantasie des Volkes legte es sich auf verschiedene Arten aus; so entstanden die Sagenformen Nr. 2 und 3. Ein westfälisches Blatt 5) brachte heuer eine kleine Sammlung von Gegenstücken zu Nr. 2. Wenn reiche Leute in Teuerungszeiten für ihr Getreide Wucherpreise verlangten oder die Armen barsch abwiesen, wurde dieses zu Stein. In unserm Falle ist entsprechend dem rauhen Charakter des Volkes die Strafe auf die ganze Person ausgedehnt, wie auch der Frevel bedeutend schwerer war. Merkwürdigerweise findet dagegen die dritte Form in der babylonischen Sage ihr Gegenstück. Ein Weib, welches dasselbe Verbrechen der übermütigen Brotvergeudung begangen, wurde nahe dem Städtchen Hît versteinert.


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1) Manuskript im Ferdinandeum
2) Sehr interessant ist der Aufsatz von Helene Gegenbauer: "Sagenbildung im Hochgebirge" in Nr. 117 der "Innsbrucker Nachrichten" vom 22. Mai 1911 und die Anmerkung zur Frau Hitt-Sage bei Zingerle, "Sagen aus Tirol", 2. Aufl., S. 619 bis 620
3) "Land Tirol", Innsbruck, Wagner, 1837, I., S. 369
4) "Die Sage von der Frau Hitt in geologischer Beleuchtung", Beilage zu Nr. 157 der "Innsbrucker Nachrichten" 1907.
5) "Münsterscher Anzeiger" vom 5. Mai 1912. (Erzählende Beilage.)


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Man brachte die beiden Sagen natürlich gleich in Zusammenhang, 1) was aber Hofrat Stolz mit vollem Rechte zurückweisen konnte. 2) Seine Worte seien eine Warnung für viele: "Der äußere Schein trügt nur zu oft, ganz besonders bei Namen, die sich zufälligerweise in äußerlicher Übereinstimmung in ganz entlegenen Gebieten finden, und namentlich auch bei der Identifizierung von Sagen, die bei den verschiedenen Völkern und in den verschiedensten Gegenden merkwürdige Anklänge und Übereinstimmungen aufweisen, ohne daß sich deshalb gemeinsamer Ursprung dieser Sagen irgendwie erweisen ließe. Es kehren eben dieselben Sagenmotive bei den verschiedenen Völkern wieder. - - - So beruht sicherlich auch die Übereinstimmung in der tirolischen Frau Hitt-Sage und in der an das babylonische Städtchen Hit geknüpften Sage (auch der zufällige, duchaus nicht vollständige Anklang der Namen) auf nichts anderem als auf einen neckischen Zufall, der ja oft in der Welt eine verblüffende Rolle spielt. So sind wir darauf angewiesen, die Sagenform Nr. 3 aus der Örtlichkeit selbst zu erklären.

Ludwig von Hörmann 3) machte vor fünfzehn Jahren in einem Aufsatze darauf aufmerksam, daß sich hinter dem Felsen ein Sumpf befinde, der wahrscheinlich die Unterlage zu der Erzählung gegeben. War aber dies der Fall, so müßte meiner Ansicht nach deren Entstehung in eine Zeit fallen, in der dieses schwer zugängliche Gebiet schon allgemein bekannt war; also kaum vor der Blütezeit der dortigen Gemsenjagd (um 1500); doch können wir, wie wir sehen werden, uns den richtigen Sumpf auch noch anderswo denken. Früher war ja das Tal versumpft und der Höttinger Bach noch nicht eingedämmt. So kann man sich den Sumpf, von dem die Sage erzählt, auch im Tale vorstellen. Es heißt auch bei der Schilderung von der Bestrafung der Frevlerin, sie sei als Steingebilde in die Höhe gehoben worden.

Beschäftigt man sich mit der Erklärung des Namens, so verirrt man sich leicht in ein Gebiet, in welchem sich die Angaben "wie Kartenblätter gegeneinander ausspielen lassen". Der Name Hitt erinnert mich an das deutsche Hilde; darauf wies auch Ludwig von Hörmann hin. Von ähnlichen Gesichtspunkten ging Professor Schatz in seiner Abhandlung "Die Namen Hötting und Frau Hitt" aus. 4) Er brachte die letztgenannte mit der Hilde der ältesten Gudrunsage in Verbindung. die im sechsten Jahrhundert in Nordtirol eingewanderten Bayern hätten diese ihnen bekannte Sage in etwas veränderter Form in diese Gegend verpflanzt.


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1) "Innsbrucker Nachrichten", 14. Oktober 1909, Nr. 235, abgedruckt aus den "Münchener Neuesten Nachrichten" vom 13. Oktober 1909.
2) "Zur tirolischen Sagen- und Namenkunde", ("Innsbrucker Nachrichten.", 12. Februar 1913.)
3) "Die Niobe der Alpen" in den "Wanderungen in Tirol", Innsbruck, Wagner, 1897, S. 14 bis 18. - Vgl. Zingerle, "Über Berührungen tirolischer Sagen mit antiken", in den "Beiträgen zur Anthropologie ... Tirols", Innsbruck, Wagner, 1897, S 220.
4) "Innsbrucker Nachrichten", 1. Februar 1910, Nr. 25; populäre Wiedergabe seines Aufsatzes "Ein Zeugnis zur Hildsage" in der Zeitschrift für deutsches Altertum, 50. Jahrgang, 1908, S. 34 ff.


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Diese Hypothese wurde gestützt durch die von ihm nachgewiesene Abstammung des Namens Hötting von Hedin, dem Gemahl Hildes und noch durch mehrere beiden Sagen gemeinsame Züge. In Lutterottis Dialektgedicht 1) über die Frau Hitt heißt z. B. ihr Sohn Hog'n (Hagen). Eine von Schatz angeführte Urkunde aus dem achten Jahrhundert nennt eine Frau: Hitte sive Hildberga. So schiene das Rätsel des Namens gelöst.

Ignaz von Zingerle fand dagegen in ihrem Namen ein altdeutsches Wort Hitt = Riese. 2) Er brachte damit auch die Waldfrau Hitte, von der man sich im Unterinntal erzählt, in Verbindung, dann das im Oberinntal bekannte wilde Weib Hidde-Hadde und den Riesen Hidde. Ferner noch den Berg Hitt im Bregenzer Wald und den an seinem Fuße gelegenen Ort Hittisau. Schließlich verglich er noch die isländische Sage von der Frau Hitt mit der unseren 3) und fand da wieder viele Anknüpfungspunkte.

Bald nach Erscheinen meines Aufsatzes im "Anzeiger" äußerte auch Richard von Kralik seine Vermutung über die Entstehung der Frau Hitt-Sage. 4) Er erblickte im tirolischen Heldenepos von der Frau Virginal Züge aus derselben (ich gebe ihn hier frei wieder): "Frau Virginal ist eine Wunderkönigin, die mit ihren Riesen und Zwergen ihren Sitz in einem hohlen Berge bei Jeraspunt (wohl Önipontum, Innsbruck) hat. Sie wird von einem bösen Feinde bedrängt, der, wie es scheint, seinen Sitz am Ortler hat. Vom Fortleben dieser großen mythologischen Sage (aus dem 13. Jahrhundert) zeugt die Volkssage vom Eingange in den Berg und die Sagen von der Frau Hitt, denn nach einer bei Heyl weiß das Volk von einem Eingange ins Innere des ganzen Frau Hitt-Gebirgsstockes zu erzählen. Eine andere Spur gibt ein alter Theaterzettel des Pradler Bauerntheaters, der ein Drama "Frau Hütt" anzeigte. Die Namen der Frauen aus der Umgebung der Heldin erinnerten an die Namen in der Virginalfrage." 5)

Ich habe dem Frau Hitt-Drama des Bauerntheaters nachgeforscht und mit Frau Josefine Weiß, der Direktorin desselben, darüber gesprochen. Dem Stück liegt aber auch keine alte Sagenform zugrunde. Frau Weiß hat es frei nach der bekannten Ballade Eberts verfaßt. Mit der Frau Virginal hat also dieses Stück nichts zu tun.

So war ich daran, den Gedanken an den Zusammenhang der beiden Sagen zurückzuweisen. Auch der Sinn der beiden schien sich fremd, denn Virginal ist eine Bedrückte, Frau Hitt eine Bedrückerin. Sollte auch letztere Sage von der Virginal-Sage abstammen, so müßte doch jene Frauengestalt eher "Virgl" als "Frau Hitt" heißen, da das Volk gerade solche Namen getreu zu bewahren pflegt.


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1) Gedichte von G. von L(utterotti), Innsbruck, 1854, S. 104
2) Sagen, 2. Auflage, S. 620
3) Maurer, "Isländische Sagen", Leipzig 1860, S. 53 (erwähnt von Zingerle, wiedergegeben von Hörmann).
4) "Frau Hitt-Virginal", im "A. T. Anzeiger", Jänner 1913, Nr. 2. Der dort ausgesprochene Gedanke ist schon angedeutet in der Einleitung zum 4. Bande des deutschen Götter- und Heldenbuches.
5) An einen Hörselberg, wie ihn Kralik vermutet, läßt auch das uralte Venusbad in Hötting denken.


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Da fand ich aber eine Sagenform, welche nicht ausschließt, daß umgekehrt die Virginal-Sage ein Ableger der Frau Hitt-Sage sein könne.

Der Wiener Johann Kyselak bringt in der Beschreibung seiner Fußreise durch Österreich und Bayern (1825) 1) eine Sagenform, die gänzlich verschollen ist. Zuerst schildert er eine frühere goldene Zeit. Dann: "Glücklich lebten anfänglich die Menschen unter ihrer Königin Frau Hütt; sie wählte das irdische Reich, um ihren Sohn Ol, den sie von Tyr, einem Bergriesen, soll empfangen haben, für die Welt und die Regierung zu leiten. Allein der Sohn mißglückte, von seinem rauhen Vater besaß er die Wildheit, der Mutter Güte war ihm fremd; geduldig gab sie nach, die Klagen der Menschen wie ihre eigenen niederdrückend. Bald strebte Ol um Alleinbesitz, um Freiheit vom Mutterbefehl. Nur Laster konnte ihm dazu verhelfen; Hütt war unverletzbar, verlor aber seit ihrem Umgange mit tyr die Gewalt über Wasser. Diese wußte Ol. Er riß einen Felsberg vom Sollstein, daß dadurch die glatte Martinswand entstand, schleuderte ihn abwärts ins Tal, wo noch der Berg Isel ein Stück davon ist. Der Innfluß dämmte sich, der See wuchs, Menschen und Tiere wurden seine Leichen; Frau Hütt floh auf die Alpe und flehte um Rache. 'Ja Rache soll dir werden, törichte Mutter !', lautete einer höheren Macht furchtbare Stimme; 'die du den Sohn verzogen und jene dir anvertrauten verwarfst. Jeder Blitz soll dein Haupt erschüttern, wie dein Sohn die Menschen quälte, und doch kein Ende dir schimmern, als bis zum zweitenmal der hochgeschwellte Inn auch von diesem Sitz dich vertrieb! Dein frevelnd Ol jedoch möge erfahren, was ein harter Kopf für Schläge fühlt.' Und es sprangen die Felsen, es stürzte ihr Damm; hinab drang das Meer von Fluß und riß den gottlosen Ol, der freudig das gräßliche Mordspiel gesehen, mit in die wässerige Welt; vom Rumpfe brach ihm das Haupt, der Körper streckte als Salzberg sich hin auf die Höhen von Hall; das Haupt aber floß (wurde vom Wasser mitgerissen) und lebte nachher am Ufer des gesunkenen Inn; man nannte es dazumal Kopfstein (Kufstein am Ausgang des Unterinntals), baute Mauern darüber und kämpfte und grub auf der kriegerischen Burg, wie in den Eingeweiden des Salzberges, bleibend mit ewiger Mühe! Dies ist die Geschichte von der Frau Hütt, in möglichste Kürze verengt."

Eine solche Erzählung hätte man freilich nicht erwartet. Man sieht, die Frau Hitt-Sage hat mehr als lokale Bedeutung. Sie erzählt ausführlich die Entstehungsgeschichte der wichtigsten Punkte des Inntals. Diese Sagenform hat sehr alte Züge. Sie ist ein schlagender Beweis für die Ansicht des Professors Blaas, es habe sich die Sage aus der Erinnerung an gewaltige Veränderungen der Innsbrucker Gegend in grauer Vorzeit gebildet.


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1) "Skizzen einer Fußreise durch Österreich", Wien, 1829, II, 115 ff.


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Sieht man sich die Namen an, so läßt der Name der Frau und des Sohnes keinen sicheren Schluß zu; letzterer wurde wahrscheinlich erst in späterer Zeit durch Volksetymologie so gebildet, daß der Name Ol mit dem Namen des Vaters Tyr zusammen das Wort "Tirol" gebe. Am wichtigsten ist der Name Tyr. Das ist ja der altdeutsche Kriegsgott Tyr-Tiv-Ziu ! 1) Kriegerische Geister lebten nach dem Sturze des Heidentums in den Volkssagen als wilde Riesen fort. Es kommt auch der Name des Kriegsgottes in manchen Ortsnamen vor. Man hatte dazu die Sagen, die in Nordtirol vom Riesen Tyrsus erzählt werden. Sind auch die Züge der Sagen verwischt, so kann man doch Gemeinsames finden. Tyrsus war der Gegener des Riesen Haymon, der der sagenhafte Erbauer des Klosters Wilten war.

Die Annahme, es sei die Frau Hitt-Sage ein Überbleibsel aus grauer Vorzeit, steht gerechtfertigt da. Die Frage nach der Bildung der heutigen Fassungen derselben läßt sich dagegen schwer entscheiden, da sich die Erzählungen der Sagen und der Namen in der langen Zeit allzusehr voneinander entfernt haben. Wir müssen mit der Annahme zufrieden sein, daß verschiedene Anknüpfungspunkte die Bayern als die neuen Herrn des Landes veranlassen konnten, die Sage der unterworfenen Urbewohner mit der eigenen zu vermengen.


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Die verschiedenen Namensformen, welche auf uns gekommen sind, können geradeso an eine Jagd- oder Schutzhütte für Frauen oder an die Alpenhütte aus dem Besitze einer Frau wie an einen Frauenhut usw. denken machen. Mit der Namenschreibung nahm man es in früherer Zeit überhaupt nicht genau, besonders aber, wenn der Name nach dem Schwinden der alten Sprache (welche immer es gewesen sein mag) unverständlich geworden war. So blieb er der Auffassung des einzelnen überlassen und die Volksetymologie machte ihn wieder mundgerecht.

Der Name jenes charakteristischen Felsens ist aber auch dem eines Berges bei Götzens in der Nähe von Innsbruck so ähnlich, daß man leicht an einen Zusammenhang der beiden denken könnte. Er heißt Freihut. Das alte Huet (Hut) heißt Weide und die Freihut ist also ein Ort mit freiem Weiderecht. Man könnte nun sagen: Frau Hitt stamme vom selben Worte, es solle auch Freihut heißen oder es sei als Weideplatz aus dem Besitze einer Frau zu verstehen. Man würde der Frau Hitt-Sage neuerdings das große Alter und jeden ehrwürdigen Zug absprechen. Man habe bloß den Namen nicht mehr verstanden und drum eine Sage um ihn gebildet; aber da die bisher gefundenen Aufzeichnungen der Sage aus früher genannten Gründen nicht weit zurückreichen, sind wir darauf angewiesen, aus dem Namen selbst Schlüsse zu ziehen. Ich weise daruaf hin, daß die mit "Frau" zusammengesetzten Wörter in der Regel die Silbe "en" einschieben. Der Volksmund pflegt ja solche nicht auszustoßen; ich habe die Frauen-Ortsnamen Tirols und der Nachbarländer durchgesehen und fand nur bei Reutte eine Kapelle "Fraubrunnen" und in Südtirol ein Joch "Frauwort" (zwischen Roncegno und Palù), andere schreiben "Fravort". Mir scheint es kein rechtes deutsches Wort zu sein, sondern dem italienischen "Fraporta" zu entsprechen.


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1) Grimm: "Deutsche Mythologie", 2. Auflage, Göttingen, 1844. 1. band, S. 175 ff.


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Es gilt nun, alle alten Frau Hitt-Namensformen, die wir kennen, zu vergleichen. Zuerst treffen wir 1500 im Jagdbuche Maximilians die Stelle "Das Wild hetzt man vom Freyhaitannger". Die Gegend der Frau Hitt heißt dagegen "Frawhuet", "Frawhut" und "Frawhuettenspitz". Man merkt aus dem Jagdbuch daß der Schreiber als ein Mann aus einer fremden Gegend bloß die erste Silbe im Gedächtnis behalten und das Übrige so gut als möglich ergänzt habe. So läßt sich zwar schließen, daß die beiden Vorsilben schon in so früher Zeit getrennte Begriffe waren. Ob das Wort "Frau Hitt" mit einer Frauenhut zusammenhänge, ist hier unentschieden. Mit der Frauenhütte steht's ebenso. Mehr findet man aus Ernstingers Reisebuch (Herausgegeben vom Literarischen Vereine in Stuttgart, Band 39, 1871); Darin nennt er auch "die Frauhit, ein sehr hohes Gebürg" (er rechnete nämlich auch das Brandjoch dazu, wie Karl Gfaller im "Tiroler Boten" von 1888, S. 874, nachwies). Ernstinger erscheint bis jetzt als der erste, der den Namen mit einem i-laut schrieb. Er hat auch ein Register zu seinem Werke verfaßt; da heißt es aber "Frauhitt" (mit zwei harten t); das zeigt, daß der Hauptton auf dem zweiten Teile des Wortes lag. Wäre es ein aus Frau und Hut zusammengesetztes Wort, so müßte ja wie beim Worte Freihut der Hauptton auf der ersten Silbe liegen. Gegen eine Frauenhütte spricht wieder die erste Form mit einem t und beide wegen der fehlenden Schlußsilbe (-hütte oder hütt'n). So haben wir wieder ein Beweisstück, daß der Name der steinerenen Frauengestalt und ihrer Umgebung aus zwei selbstständigen Teilen bestehe.

Vor zwei Jahren vertrat Zösmair mit guter Begründung seine Ansicht, daß der Name Karwendel von den alten Bergen Karwantil stamme, 1) und vergleichsweise führte er an, daß das Latemargebirge nach Ladimar und die Watzmanngruppe nach Waziman benannt worden sei. So kann doch auch die Umgebung einer durch den Volksglauben belebten Bildung nach dieser den Namen erhalten haben.

Gegen diese Annahme sprach aber die Zusammenschreibung des Namens. Nun fand ich aber in Grimms "Deutscher Mythologie" einige interessante Gegenstücke. Fruvrene (Frau Vrene), Vergode (Frau Gode), Pharaildis gleich Ver-elde (Frau Hilde). Wenn man ein "Frau-hütt" mit diesen entstellten Wortformen vergleicht, muß dieses noch recht harmlos erscheinen.


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1) "Der Gebirgsname Karwendel", "Innsbrucker Nachrichten", 4. Juli 1911


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Läßt man sich also durch die Zusammenschreibung nicht beirren, so kann man über die anderen Deutungen leicht hinauskommen.

Die Landkarten zeigen, als was man den Namen aufzufassen habe. Auf Warmund Igls Tiroler Karte von 1605 1) heißt es: "Frau Hüt". Die Schreibart des strittigen Namens beweist, daß er die Sage und nicht die Hütte kannte. So haben wir an ihm einen wichtigen Zeugen. Auch noch einen anderen Zeitgenossen kann ich anführen. Es ist Matthias Burglechner. Die Sage muß schon sehr alt und verbreitet sein, wenn sie sogar ein Stubengelehrter wie Burglechner kannte. Auf seiner tirolischen Landtafel von 1608 steht der Name "Frauhitt" zwar zusammengesetzt, aber mit reinem "i". Da ist es ebenso nichts mit der Frauenhütte wie mit dem Frauenhut. Genau so wie Burglechner betitelte 1878 Anton von Schullern ein humoristisches Gedicht "Frauhitt". 2) Die beiden Teile des Namens sind eben durch die alte Gewohnheit nun zu einem Worte verschmolzen. Merkwürdigerweise liest man auf Burglechners großer Karte von 1611 nicht "Frau-hitt", sondern "Frauhut". War diese Änderung beabsichtigt oder nicht ? Aus "Frauhut" läßt sich kein Sinn herausbringen; in einem Fall heißt es nichts, da es mit Frauenhütte nichts zu tun hat, im andern Fall schrieb man aber "Huet" und nicht "Hut". Wenn man einen Namen änderte, so geschah dies, um ihn irgendwie verständlich zu machen. In diesem Falle hätte Burglechner gerade das gegenteil erreicht.

Er war aber gar nicht der Mann, der sich mit derartigem befaßte. So bleibt uns nur noch übrig, das "Frauhut" als Druckfehler aufzufassen, denn 'itt' und 'ut' ist leicht zu verwechseln. Daß die Neuausgabe seiner Karte von 1629 auch die Form "Frauhut" bringt, zeigt, daß sie nicht mehr durchgesehen wurde, wie auch der Druckfehler Barwendel statt Karwendel sich auf beiden Ausgaben findet. Fünfzig Jahre später ist auch auf dem Kärtchen beim "Ehrenkräntzl" des Grafen Brandis der Name "Frauhitt" zu finden. Dies zeigt, daß dem Druckfehler keine Beachtung geschenkt wurde.

Von den späteren Kartographen war Peter Anich der wichtigste. Er war es, der jenen Zacken so charakteristisch zeichnete, daß Matthisson darauf aufmerksam gemacht wurde. Auf Anichs Karte von 1774 und in der nächstfolgenden Zeit wird noch die Schreibung mit ü gebraucht, nur Hormayr schrieb "Frau Hitta". Doch wurde erst in späterer Zeit mit der neueren Rechtschreibung aus dem Frau Hüttgebürge ein Frau Hittgebirge, was sich jetzt allgemein eingebürgert hat.

Man hat den Namen öfters mit Hötting in Verbindung gebracht, den Professor Schatz von Hedin abgeleitet hat. Andere haben ihn mit dem altdeutschen Personennamen Hatto in Verbindung gebracht 3), was der ältesten bekannten Form von 1163: Heteningen, später Heting, Hetting, Hötting widerspricht.


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1) Man lese den Aufsatz von P. L. Rangger: "Warmund Igl und seine Karte von Tirol" in dem 1. Jahrgange der "Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols", 1904, S. 183 ff.
2) "Frauhitt, Ein Abned auf dem Achselkopfe." Innsbruck, Gaßner, 1878.
3) Schneller, Walde, Redlich.


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Beda Weber erklärt es als Het-iningen (Sitz des Hauptes). 1) Dort hausten nämlich im Mittelalter mächtige Herrn, welche die Richter über die Gegend waren. Der unermüdliche Vorkämpfer der Keltentheorie Pater Isidor Hopfner 2) fand im Worte Hötting die Grundsilbe at, das ist Sumpf. Vor zwei Jahrzehnten erklärte Theodor Sachs in den "Innsbrucker Nachrichten" eine große Zahl rätischer Ortsnamen. 3) Es geschah dies in einer Zeit, da man viel vom Stamm der Räter sprach, da man die Urbewohner Tirols nicht als Völkermischung, sondern als selbstständiges Volk auffaßte. Sachs schrieb damals: "Die Silbe Frau ist durch die deutsche Sinneinlegung gebildet aus dem rätsichen fra, welches aber 'über' bedeutet. Das finden wir in den Formen: per, pro, pra, pre. Wie nahe lag es nun den Romanen, die Silbe par, pra auf pratum, das ist Wiese, und fer auf ferrum, das ist Eisen, zu deuten. Die Deutschen machten aus fra eine Frau, aus fri ein frei. So haben wir ein Frauwort, das ist obere Worte, ein Freihut als Ober-Götzens und eine Frau Hitt als Ober-Hötting. Daß aber Freihut ein rätischer Name sei, ist nicht anzunehmen, da ich aus zuverlässiger Quelle gehört habe, daß man im Volke die "Freihuet" sage, was eben für die germanische Herkunft des Wortes zeugt. Sachs versucht auch zu erklären, warum sich das Ober-Götzens zu Freihut und das Ober-Hötting zu Frau Hitt entwickelt habe. Sein Beweis ist allzusehr gezwungen. Er erklärt auch die Namen Götzens und Hötting; jetzt gibt es aber bessere Erklärungen. Die Sache mit dem Freihut ist verfehlt; für seine Erklärung des Namens der Frau Hitt, die ich gern anerkennen möchte, gibt es wenigstens keinen Gegenbeweis.

Es haben manche Auslegungen der Frau Hitt-Sage viel Wahrscheinlichkeit für sich. Auf jeder Linie kann man einen überraschenden Anklang an sie finden. Die einseitige Bevorzugung solcher Anklänge hat Hypothesen veranlaßt, die einer genauen Kritik nicht standhalten können. Die Hypothese, die Professor Blaas aufgestellt, ist zu gut begründet, um daran rütteln zu können; die des Professors Schatz kann noch immer bestehen, es sind aber danneben noch andere Auffassungen möglich, solange sie mit dem vorhandenen Tatbestand rechnen.


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1) Land Tirol, I., S. 364
2) "Tirols Moosburgen", "A. T. Anzeiger" 12. März 1912, Nr. 58, und "An meine Freunde, die Kritiker (2.)", 12. Juni 1912, Nr. 132.
3) 1891, Nr. 31: "Innsbrucker Ausflüge", VII. "Die Frau Hütt".