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Der Hexenspielmann Version II.

Zu Höttingen bei Innsbruck lebte ein armer Spielmann, der sammelte was er durch sein Gegenspiel erworben, mühsam zu einem Nothpfennige [Notgroschen]. Einmal hatte er in einem nahen Wirthshause aufgespielt, und ging Nachts nach 11 Uhr nach hause. Da begegnete ihm von Schneeburg der Gasse hinauf gegen des Zimmermeisters Müßl Behausung hin, eine Schaar schöner Frauenzimmer, die ihn umringten und ihn fragten, ob er ihnen nicht auch noch ein Stündchen lang gegen gute Bezahlung ausspielen wolle? Gern willigte der Geiger ein und folgt den Damen, die ihm eine weite Strecke vorangehen, bis über Zirl. Endlich wird zwischen Aigenhofen und Tschirschenbach ein stattliches Haus erreicht, das früher gesehen zu haben der Musikant sich nicht entsinnen kann. Musik und Tanz beginnt alsbald; die schönen Frauenzimmer sind sehr lustig, geben dem Spielmann auch zu trinken und gute Sachen zu essen, Rühreier mit Spinat, geschlagene Eier und Pfannkuchen, Spritzgebackenes und Würstl. Der Spielmann geigt, ißt, trinkt und sackt auch von den Speisen ein, nach Herzenslust. Als er alle seine Tänze aufgespielt hat, und sehr müde ist, gedenkt er ein ende zu machen und einen andächtigen Schluß und spielt das heilige Kreuzlied. Da bricht Knall und Fall das schöne Haus zusammen, alles verschwindet, die Kerzen verlöschen, und der Spielmann sitzt auf einem nachten Felsen. Er ist matt und müde, der Morgen graut, er muß etwas genießen, und hebt den Vorrath aus der Tasche. O wehe, die Eier waren Roßgaggele gewesen, die Pfannkuchen Haarwizl (ausgekämmte, zusammengerollte Haare) und der Spinat Kuhplapper. O pfui Teufel! Der Spielmann brach alles aus dem Leibe heraus, und kroch mit Mühe vom Felsen, und kam schlagerdenmüde nach Hause.

Ein anderes Mal sah ein zur Nacht des Weges daher kommender Bauer auf dem Höttingerbühel ein herrliches Schloß, und ein altfränkisch gekleideter Mann am Thore lud ihn zum Eintritt ein. Da gab es schöne Jungfern und gute Speisen; er wurde ganz vollgepfropft, und wie er schier platzte, schrie er: Ach Herr Jesus! Da war es aus und alle - er lag in einem Dornstrauch, und was er eingesackt hatte von Bratenknochen, Kranawittvögeln und Butterböden waten eitel Todtenbeine, Kröten und Kuhfladen.


Quelle: Mythen und Sagen Tirols, gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Zürich 1857, S. 289, Nr. 6